Iron feierte nun seinen
dreizehnten Geburtstag, er wurde gehänselt und es schien als
hatten es alle auf ihn abgesehen. Er lebte in einem Kinderheim
seit seine Mutter gestorben und sein Vater vermisst wurde. Er
war der Sohn eines Archäologen, was auch noch ein Grund für die
anderen Kinder des Heimes war, um ihn zu quälen. Und an einem
Tag war es besonders schlimm. Iron war sehr schmächtig, er hatte
dünne Arme und auch sein Körper war entsprechend schmal um nicht
zu sagen dürr. Nicht nur das sein Kopf wieder mal in der
Toilettenschüssel landete, nicht genug damit das sie ihn beim
Essen holen an rempelten so das er sich das ganze auf seine
Kleidung kippte, nein man zog ihn auch noch mit seinem Vater
auf, was für ihn das schlimmste war. Sein Vater war auf der
Suche nach den Tempeln der alten Welt gewesen. Einst glaubten
die Menschen noch an die Götter, doch heute tat man das nicht
mehr. Man sagte sich, hilf dir selbst, denn die Götter sind tot.
Iron wusste das sein Vater anderer Meinung war, er hatte oft
gesagt, das nicht die Götter die Menschen verlassen hätten,
sondern die Menschen die Götter wenn sie ihren Glauben verloren.
Warum die Menschen ihren Glauben verloren hatten, wusste man
nicht, es war einfach so. Iron wusste von seinem Vater das es
vor einigen hundert Jahren noch Tempel gegeben hatte und genau
die suchte er. Doch war er nun schon Jahre fort und keiner
wusste wo er ab geblieben war. Als nun seine Mutter starb,
suchte man erst nach Angehörigen doch fand man keine und so
wurde was seine Eltern mal besessen hatten, zum Teil verkauft
und die Erinnerungen in Kartons gepackt und in einer Lagerhalle
verstaut, wie auch die Arbeiten seines Vaters. Ein Notar
verwaltete das Erbe und Iron würde erst daran kommen wenn er das
achtzehnte Lebensjahr erreicht hatte. Was man allerdings nicht
verkauft hatte war das Haus seiner Eltern, das hatte man nun
vermietet, so das sein Guthaben auf dem Konto anwuchs. Mal
abgesehen von den Zahlungen die der Notar an das Heim für seine
Unterbringung leistete. An diesem Tag kam der Notar und fragte
ihn was er sich zum Geburtstag wünschen würde. Die Angriffe noch
gut in Erinnerung sah er den Notar an: „Ich weiß was ich mir
wünsche, ich möchte stark werden, gebt mir die Möglichkeit
irgendwo meinen Körper zu trainieren, ihn muskulöser und
kraftvoller zu machen. Ich bin nun dreizehn und nach dem Gesetz
ist es mir erlaubt.“ Der Notar seufzte leise, doch nickte er.
Wenige Tage später holte er Iron ab und brachte ihn in eine
Nahkampfschule, in der sie ihn sogar ganztägig aufnahmen. Doch
Iron würde nie die Gesichter und die Namen derjenigen vergessen,
die ihn gequält hatten.
Die Zeit verging, er lernte
fleißig und man sah seinem Körper nach zwei Jahren an, das er
geschult worden war. Er war schnell wie der Wind, bewegte sich
grazil wie ein Tänzer und selbst bei seinen knapp fünfzehn
Jahren hatten sich an seinem Körper die ersten Muskeln gebildet
und aus dem kleinen schmächtigen Jungen war ein kräftiger
Teenager geworden. Sein Meister war stolz auf ihn und Iron
dankte es ihm, in dem er ihn liebte wie einen Vater und ihm
gehorchte. Nun ja wenn man mal bis auf die dummen Streiche die
ein Teenager nun mal in dem Alter machte absah. Doch war er nie
bösartig oder grausam. Das heißt bis zu dem Tag als er seinen
Peinigern über den Weg lief. Sie erkannten ihn erst gar nicht
wieder, doch als er sah, das sie nun ein junges Mädchen
drangsalierten, griff er ein. Er war so schnell das sie es gar
nicht richtig mit bekamen und schon auf dem Boden lagen, bevor
sie überhaupt merkten was geschah. Es gab etliche blaue Flecken
und auch Augen, der eine oder andere hatte sogar hier und da
einige gebrochene Knochen, doch dachte sich Iron, sie haben es
nicht besser verdient. Das Mädchen war ihm zumindest äußerst
dankbar und Iron drohte den Jungen die erst jetzt begriffen wer
er war, das sollte er noch einmal sehen das sie jemanden quälten
der sich nicht wehren könne, wäre das was sie heute einstecken
mussten noch harmlos gegen das was sie dann erleben würden. Iron
der eigentlich eher immer ein Junge gewesen war der sich in den
Büchern verkroch, war nun zu einem Kämpfer geworden. Doch seine
Leidenschaft gehörte immer noch den Forschungen seines Vaters.
Und er hatte sich vor genommen, sollte er alt genug sein, den
Spuren seines Vaters zu folgen.
Als er siebzehn wurde begannen
auch bei ihm die Hormone verrückt zu spielen. Natürlich hatte er
immer mal nach den Jungen gesehen die ihn früher gequält hatten,
doch ließen sie nun die anderen in Ruhe. Sicher hatten sie
damals gelogen oder es zumindest versucht, als sie mit den
ganzen Blessuren zurück ins Heim kamen, doch das Mädchen hatte
ihre Taten und was darauf erfolgte genauestens erzählt. Als das
bekannt wurde, das diese drei Rüpel von nur einem Jungen
verprügelt worden waren, waren sie nun zum Gespött des Heimes
geworden. Ihre Zeit war abgelaufen und sie bekamen keinen Fuß
mehr auf den Boden.
Doch wie gesagt auch bei Iron
spielten die Hormone verrückt und das Mädchen das er gerettet
hatte zeigte sich äußerst dankbar. Iron verliebte sich in sie
doch war sie nur an einem interessiert, ihn in ihren Reigen der
Trophäen ein zu reihen. Wenn er auch mit ihr seine ersten
Erfahrungen machen konnte, so brach es ihm doch fast das Herz
als er sehen musste das er nicht der einzige war, dem sie ihre
Gunst schenkte. Er war sanft und freundlich, bis zu dem Tag als
er sie mit einem anderen im Heu erwischte. Da änderte sich sein
Verhalten als auch seine innere Einstellung. Sein Meister war
darüber gar nicht glücklich und versuchte ihm klar zu machen,
das es noch andere Mädchen gab, die nicht so waren. Die Mädchen
waren wild hinter ihm her, inzwischen war er recht muskulös
geworden, sein Brustkorb hatte sich gewölbt, seine Oberarme und
Schenkel waren angewachsen, seine Schultern breiter geworden und
alles in allem war er nun ein stattlicher junger Mann. Wenn er
auch immer noch hilfsbereit war den Schwachen und Hilflosen
gegenüber, so war er doch auch was Mädchen oder die Frauen
allgemein betraf, recht egoistisch geworden. Er nahm sich was
sich ihm bot und lies die Frauen dann fallen wie heiße
Kartoffeln. Er wollte sich auf keine Gefühlsbindung mehr
einlassen.
Er steckte seine Energie jetzt
lieber in die Aufzeichnungen seines Vaters und versuchte vor ab
schon mal heraus zu finden welchen Weg dieser genommen haben
konnte. Er würde ihn finden, entweder tot oder lebendig. Er war
davon überzeugt das sein Vater noch lebte, wenn er auch nicht
wusste wo und wie. Und warum dieser sich nicht mehr gemeldet
hatte. Anhand der Aufzeichnungen musste er aber feststellen, das
ihm die Unterlagen seines Vaters nicht reichten. Er musste mehr
wissen. Und als nun sein achtzehnter Geburtstag nahte und er
gesetzlich zum Erwachsenen erklärt wurde, schrieb er sich auf
der Universität ein mit Archäologie als Hauptfach. Sein Tag war
angefüllt mit lernen, morgens die Uni und nachmittags das
Kampftraining bei seinem Meister. Nebenbei hatte er immer mal
für kurze Zeit ein Mädel an der Hand an dem er seine
körperlichen Bedürfnisse auslassen konnte, denn nach wie vor
liefen ihm die Frauen nach und das änderte sich auch auf der Uni
nicht. Seine ganze Körpersprache erzählte von einem sehr
selbstbewussten jungen Mann, der auch wusste wie man einer Frau
Freude bereiten konnte und das tat er auch mit viel Hingabe.
Doch sobald eine mehr wollte als nur das was er bereit war zu
geben, löste er die Verbindung. Er wollte keine Gefühle mehr
aufkommen lassen. Sein Meister der ihn liebte wie einen Sohn,
schüttelte immer nur den Kopf und versuchte auch weiter hin ihn
dahingehend zu beeinflussen, das er auch mal Gefühle zu lassen
sollte. Doch da kam er bei Iron schlecht an. „Vergiss es und
lass mich damit in Ruhe. Was ich brauche geben sie mir und mehr
will ich nicht. Vielleicht werde ich später mal eine Familie
gründen, doch solange werde ich keine Bindung eingehen. Erst mal
will ich meinen Vater finden und dabei kann ich eh keine Frau
gebrauchen die mir am Bein klebt. Also lass es gut sein.“ Sein
Meister sah das er hier nichts ausrichten konnte, also lies er
ihn ab da in Ruhe damit. Sein Studium ging voran und als er es
abschloss tat er es mit der höchsten Auszeichnung. Inzwischen
war er zweiundzwanzig. Im Kampf konnte ihm selbst sein Meister
nichts mehr beibringen, im Gegenteil er war inzwischen sogar
besser als er. Er hatte aus Iron eine Kampfmaschine gemacht, die
sehr gefährlich war. Iron brauchte keine Waffen die man bei sich
tragen musste, er selber war zu einer Waffe geworden. Und eine
sehr gefährliche Waffe. Iron sah es so, das er aufgrund seiner
Kampfausbildung, weit aus mehr Chancen hatte dort zurecht zu
kommen wo er seinen Vater vermutete. Er ging davon aus das man
diesen irgendwo gefangen hielt. Dann starb sein Meister und
dieser hatte ihm alles was er besaß hinterlassen. Und in dessen
Nachlass fand er einen Brief der an ihn gerichtet war.
Mein guter Junge
ich kannte deinen Vater und als
der Nachlassverwalter mich bat dich auf zu nehmen war es für
mich selbstverständlich. Zudem es auch mit deinem Wunsch
zusammen fiel. Selbst wenn du nicht zu mir gekommen wärst so
hätte ich mich mit dir in Verbindung gesetzt. Dein Vater
hinterließ bevor er ging noch einige Aufzeichnungen die du nicht
in seinem Nachlass finden konntest, sondern die so brisant waren
das er sie bei mir ließ. Öffne dazu den Sockel unter dem
Samuraischwert in der Schule, dort wirst du ein Kästchen finden,
in dem die Aufzeichnungen gelagert sind. Den Schlüssel dazu habe
ich meinem Brief beigelegt. Doch sei vorsichtig, wenn auch
niemand mehr an die Götter glaubt, so doch an die Schätze die
einst in den Tempeln zu finden waren und denen man mächtige
Magie nach sagt. Ich vermute das dein Vater eines der in den
Aufzeichnungen aufgelisteten Artefakte gefunden hat und man ihn
eventuell deswegen tötete. Also sei vorsichtig, ich habe dich so
gut ich konnte ausgebildet und du bist heute schon der beste
Kämpfer den ich je gesehen habe. Und noch etwas mein Junge,
verschließe deine Gefühle nicht ganz. Ich werde in der anderen
Welt auf dich warten.
In Liebe
Dein Väterlicher Freund
Injaro
Als Iron den Brief las, liefen
Tränen seine Wangen herab, er hatte seinen Meister sehr geliebt
und es war ihm als verlöre er nun auch seinen zweiten Vater. Als
er sich wieder gefasst hatte, nahm er den Schlüssel und öffnete
den Sockel und entnahm diesem das Kästchen. Als er die
Aufzeichnungen las, stellte er fest das sein Vater weit aus mehr
wusste, als er in den anderen Aufzeichnungen verlauten lassen
hatte. Hier war von fünf machtvollen Artefakten die Rede. Zum
einen die „Rune der Macht“, wobei sein Vater wohl hier nicht
wusste was es genau sein würde. Dann das „Buch des Wissens“, in
dem wohl alles aufgezeichnet worden war was die Götter betraf,
als auch wie man die Artefakte nutzen konnte. Dann war hier von
den zwei „Löwen der Vereinigung“ die Rede. Laut seinem Vater
sollte es wohl so sein, das wenn man einen der Löwen besaß, die
Kampfkraft um einiges gesteigert wurde, sofern man das Buch des
Wissens hatte und den Spruch aufsagte der dazu nötig war. Doch
wenn man beide Löwen besitzen sollte, konnte man die Welt
beherrschen. Und als letztes das Zepter des Lichts. Vereint mit
den beiden Löwen und der Rune der Macht würde man die Welt der
Götter betreten können. Auch hier natürlich vorausgesetzt das
man das Buch des Wissens hatte um das genaue Ritual was dazu
nötig war durch zu führen. Sein Vater schrieb das er als erstes
das Buch des Wissens suchen wollte, denn mit ihm stand und fiel
alles. Ohne das Buch waren die Gegenstände wertlos und nur
hübsch an zu sehen.
Dann war noch ein Plan dabei
wohin man mit den Artefakten gehen und das Ritual ausführen
sollte. Was dann geschehen würde, wusste sein Vater wohl auch
nicht. Denn darüber stand nichts in den Aufzeichnungen. Doch
hatte Iron nun wenigstens einen Hinweis wohin sein Vater sich
gewandt hatte und es stand auch da wo dieser das Buch vermutet
hatte.
In den nächsten Tagen war Iron
sehr geschäftig, er verschloss die Kampfschule und packte alles
was er für nötig befand in einen Rucksack. Dann sah er sich noch
einmal um und machte sich auf den Weg, den Spuren seines Vaters
zu folgen.


