Irons Berechnung der Zeit kam in
etwa hin und nach einigen Stunden hörte er auch schon wie man an
der Doppeltüre werkelte. Mal abgesehen davon das er ebenso
gehört hatte wie die Luke oben abermals zufiel. Er grinste. Er
hatte sich so versteckt das er aus einem kleinen Nebenraum alles
beobachten konnte. Dann öffnete sich knirschend die Doppeltüre.
Dieser Thomas hatte sich natürlich nicht an Naras Anweisungen
gehalten und so betrat nicht nur er den Altarraum sondern auch
seine Komplizen, die Nara in ihrer Mitte mit schleppten. Doch
kaum waren alle in dem Raum, knallte auch wie Iron es erwartet
hatte die Doppeltüre zu. Ebenso wie die Schurken nun herum
fuhren und einige versuchten die Türe wieder zu öffnen. Und wie
auch bei Nara und Iron erschien nun das Gesicht über dem Altar.
„Das ist sinnlos sie lässt sich nicht mehr öffnen. Was wollt ihr
hier und wieso schleppt ihr die junge Frau hier herein? Außerdem
würde ich euch empfehlen sie los zu lassen, bevor ich wirklich
böse werde.“ Der Blick der Göttin ging über jeden einzelnen
hinweg. Die Männer die Nara fest hielten ließen sie auch los und
achteten nicht mehr auf sie. Darauf hatte Iron gewartet und zog
Nara recht schnell in sein Versteck und deutete ihr an leise zu
sein. Dann donnerte die Stimme der Göttin durch den Altarraum:
„Ihr habt euch unbefugt in eines meiner Heiligtümer geschlichen
also was habt ihr zu eurer Verteidigung zu sagen?“ Thomas trat
nun vor und sah zu seinen Männern: „Lasst euch davon nicht ins
Bockshorn jagen, das ist nur eine Holographie.“ Damit schritt er
weiter zum Altar weil er ja hoffte dort das Buch vor zu finden.
Er hatte keinen Grund an Naras Worten zu zweifeln, denn bis hier
her hatte ja alles gestimmt was sie gesagt hatte.
„So man hält mich also für eine
Holographie, dann sollte ich euch eines besseren belehren.“ Nun
Thomas war immer noch davon überzeugt das es nur eine Illusion,
eine Holographie war wie er sagte, doch seinen Männern war das
inzwischen nicht mehr geheuer. Doch weg konnten sie nicht, der
Rückweg war ihnen versperrt. Und ehe sich Thomas versah stand
auf einmal eine schwarzhaarige Frau vor ihm, es verschlug ihm
glattweg den Atem als er sie sah. Hinter ihr tauchten zwei große
Krieger auf, die nicht aussahen als wäre mit ihnen zu spaßen,
denn deren Blick war finster. Beide trugen ein mächtiges Schwert
auf ihrem Rücken und sahen auch so aus als wüssten sie damit um
zu gehen. Iron und Nara erkannten sie als die Herrin des Lichts
und ihre beiden Begleiter. Die Frau sah Thomas von oben bis
unten an: „Du bist also der Rädelsführer, dann soll dich auch
meine Strafe treffen. Ebenso deine Begleiter, es sei denn du
kannst für dich eine Frau vor weisen.“ Eiskalt erklang ihre
Stimme, so kannten Nara und Iron sie gar nicht. Sie beide traten
nun aus ihrem Versteck hervor und stellten sich in die Nähe der
beiden Begleiter der Herrin. Man sah das Thomas nun nicht wusste
was er sagen sollte, dann deutete er auf Nara. „Sie ist die Frau
an meiner Seite.“ Die Herrin sah kurz zu Nara und schüttelte den
Kopf: „Nein das kann nicht sein, denn sie gehört bereits dem
Mann an der an ihrer Seite steht. Somit hast du also mein Gebot
nicht beachtet, das nur Paare dieses Heiligtum betreten dürfen.
Und hast den Frevel begangen, dich durch eine List hier her zu
begeben, also treffe dich meine Strafe.“ Sie hob kurz ihre Hand
und Thomas verschwand. Sein Schrei hallte noch eine Weile nach.
Dann sah die Herrin seine Kumpanen an. „Nun zu euch, ihr dürftet
ebenso wenig hier sein, doch da ihr angestiftet wurdet, lasse
ich mal Gnade vor Recht ergehen. Ändert eure Lebensweise und
verbreitet überall, das die Götter noch lange nicht tot sind.
Als Zeichen dafür das eure Worte stimmen, werde ich diesem
Tempel seine alte Schönheit zurück geben. Doch warne ich euch,
kehrt ihr noch einmal zurück und versucht euch an den Schätzen
meiner Tempel zu vergreifen, wird es euch nicht anders ergehen
als eurem Anführer. Und nun geht.“ Damit öffnete sich hinter
ihnen die Doppeltüre. Nara und Iron lachten leise als sie sahen
wie eilig die Bande es auf einmal hatte. Als diese endlich weg
waren, flüsterte Iron Nara leise zu: „Ich denke nun werden wir
wohl Ruhe vor ihnen haben.“ Dann sahen sie zu der Göttin hin,
diese zwinkerte Nara noch mal sachte zu, dann waren sie und ihre
Begleiter verschwunden. Kaum waren sie wieder alleine zog Iron
Nara in seine Arme: „Verdammt ich hatte eine Höllenangst um
dich, doch als ich hörte welches Märchen du diesem Kerl
aufgetischt hattest, wurde mir klar das wir ihn so ein für alle
mal los werden könnten ohne uns die Finger schmutzig zu machen.
Und ich bin so froh das du wieder bei mir bist.“ Dann küsste er
sie leidenschaftlich, glücklich sie wieder zu haben, wobei sie
den Kuss ebenso erwiderte und ihre Arme um ihn legte. Kurz
darauf sahen sie zu das sie wieder in ihren schönen Tempel kamen
und saßen noch lange auf dem Felsenvorsprung bei einem Glas Wein
zusammen und berichteten wie es ihnen ergangen war. Nara fragte
sich was mit Thomas geschehen sei und ob sie ihn überhaupt
jemals wieder sehen würde. Seine Komplizen hielten sich an das
was die Herrin gesagt hatte. Sie verbreiteten überall das es die
Götter noch geben würde und das sie selber mit einer Göttin
gesprochen hatten. Als man sie auslachte, wiesen sie auf den
alten Tempel und seine Dorfanlage hin. Als die Leute den Tempel
sahen, wurden sie doch nachdenklich. Wissenschaftler,
Archäologen und anerkannte Spezialisten kamen und untersuchten
den Tempel und mussten nach genauer Analyse zugeben, das der
Tempel tatsächlich nicht von Menschenhand wieder hergerichtet
worden war. Zudem er nun Einzelheiten enthielt, die man bis dato
noch gar nicht kannte, Was ihrer Meinung nach auch ein Zeichen
sei, das hier fremdartige Kräfte am Werk gewesen sein mussten.
Die unterirdische Anlage entdeckten sie allerdings nicht und die
Schurken schwiegen darüber. Doch davon bekamen Nara und Iron
nichts mit, sie waren damit beschäftigt, den Geheimnissen die
der Tempel enthielt in dem sie sich gerade befanden auf den
Grund zu gehen. Sie waren nun einige male schon durch die
Schatzkammer gelaufen doch hatten sie den Schatz kaum beachtet.
Doch an einem Morgen als Nara abermals an den Truhen vorbei
ging, fiel ihr etwas auf. Es glitzerte wie üblich und ab und an
sah sie auch mal zu den Kisten herüber, so konnte es kommen das
sie an einem Morgen näher trat und in einer der offenen Kisten
einen Jadelöwe liegen sah, der die Größe ihrer Handfläche hatte.
Als sie ihn in die Hand nahm spürt sie das der Löwe nicht nur
ein Schmuckstück war und rief aufgeregt nach Iron. Als dieser
angelaufen kam zeigte sie ihm den Jadelöwen. Er sah sie verdutzt
an: „Jetzt sag nicht der hat die ganze Zeit hier gelegen?“ Nara
grinste: „Na gut dann sag ich es nicht. Aber es muss wohl
stimmen, da wir kein Interesse an den Schätzen hier hatten,
haben wir das nie bemerkt.“ Iron klatschte sich mit der Hand an
die Stirn. „Wo versteckt man Schmuckstücke am besten? Dort wo
keiner gezielt suchen würde, bei dem restlichen Schatz. Darauf
wäre ich nie gekommen. Ich hatte eher vermutet das man sie
ebenso wie die Buchhälften auf den Sockeln finden würde.“ Nara
nickte: „Und ich denke aus diesem Grund hat man ihn auch hier
herein getan. Doch da wir kein Interesse an den Schätzen hatten,
sahen wir auch nicht nach. Ihn hier zu verstecken war genial.“
Nun begannen beide die Kisten mal genauer zu untersuchen ob sie
eventuell noch etwas übersehen hatten. Sie räumten die Kisten
und Truhen aus und packten nach dem sonst außer gewöhnlichem
wenn auch wertvollem Schmuck, Goldmünzen und Edelsteinen nichts
darin war, wieder ein. Dann gingen sie um den Löwen genauer zu
untersuchen. Und tatsächlich es war einer der gesuchten
Artefakte. Sie hatten den ersten Löwen gefunden. Diesen stellten
sie nun auch auf einen der Sockel. Als sie das taten öffnete
sich ein anderer Sockel und zeigte ihnen das er einen Inhalt
besaß. Denn dort war der zweite Löwe zu finden. Sie entnahmen
auch den zweiten Jadelöwen und stellten ihn nach dem der Sockel
sich wieder geschlossen hatte oben auf. Iron sah Nara an. „Nun
fehlt eigentlich nur noch das Zepter des Lichts, doch wo könnte
das zu finden sein? Ich meine das wir uns nicht darauf verlassen
können ihn in den Tempel auf den Sockeln zu finden dürfte jetzt
wohl klar sein. Es könnte also überall versteckt sein.“ Nara
nickte: „Und ich glaube ich weiß auch wo wir es finden. Nicht in
irgendeinem Tempel, doch schätze ich das unsere Odyssee noch
lange nicht zu ende ist.“ Irons Blick war fragend: „Was meinst
du?“ Dann begann Nara ihm zu erklären was sie dachte: „Du
erinnerst dich an den Spiegelraum? Der mit den Schildern? Wo du
felsenfest behauptet hast der Raum sei vorher noch nicht da
gewesen? Jetzt wo wir wissen zu was die Herrin fähig ist,
scheint es mir nicht mehr unmöglich das du eventuell sogar recht
hast und ich denke dort müssen wir suchen. Es hat etwas mit den
Spiegeln zu tun. Ich gehe mal davon aus es ist unnötig alle
anderen Tempel noch auf zu suchen. Wir werden die Antwort hier
finden.“ Iron sah sie immer noch fragend an, also erklärte sie
weiter: „Schau mal als ich das Schild berührte für die
Vergangenheit, zeigte uns der Spiegel was damals geschehen war.
Doch es gibt noch mehr, die Gegenwart, die Zukunft und die
anderen Schilder, wie den Vogel der Zeit, die schlafende
Urgewalt und das Geheimnis der Vergangenheit. Unter einem dieser
Schilder werden wir das Zepter wahrscheinlich finden, die Frage
ist nur unter welchem. Ich denke mal das die Spiegel oder einer
von ihnen uns zeigen wird wo das Zepter liegt oder zu finden
ist.“ Das leuchtete auch Iron ein und es klang nicht mal so
unwahrscheinlich. Wie falsch oder wie sehr sie an der Tatsache
vorbei dachten, würden die beiden später feststellen können.
Sicher die Spiegel würden ihnen einiges zeigen, doch hatte es
mit den Spiegeln eine noch ganz andere Bewandtnis, wie sie bald
feststellen würden. Iron dachte kurz nach, er hatte ja begonnen
sich durch die Bibliothek zu lesen und dann fiel es ihm wieder
ein. „Über den Vogel der Zeit habe ich etwas gelesen. In einer
alten Legende erzählt man sich das der Vogel der Zeit alle
fünfhundert Jahre einmal die Welt umfliegt und so eine
Erneuerung stattfindet. Er erhebt sich, fliegt um die Welt und
lässt sich dann in seinem Nest wieder nieder, dort setzt er mit
seinem Feuerschweif das Nest in Brand und er verbrennt, doch
hinterlässt er ein Ei, aus dem nach fünfhundert Jahren ein neuer
Vogel schlüpft der dann abermals die Welt umfliegt, die
Erneuerung einläutet und es dann hält wie sein Vorgänger.“ Nara
sah ihn an: „Du meinst einen Phönix? Ja gibt es denn für unsere
Welt auch einen Phönix? Das wusste ich gar nicht. Denn soweit
ich weiß hat den Vogel noch nie jemand gesehen.“ Iron lachte
leise: „Nun ich nehme an das man ihn wahrscheinlich schon
gesehen hat, aber fünfhundert Jahre sind eine lange Zeit, so das
er wohl wieder in Vergessenheit gerät oder aber man sieht ihn um
die Welt fliegen doch hält es für einen Kometen oder so etwas.
Wir leben in einer recht profanen Zeit, wo es kaum noch alten
Legenden und Mythen gibt oder man eben nicht mehr an sie glaubt.
Und so sieht man was man sehen will, ob es stimmt oder nicht.“
Nara nickte: „Das stimmt, keine Götter, keinen Phönix, noch
Platz für alte Geschichten. Alles ist wissenschaftlich erklärbar
und wenn es das nicht ist, stimmt es eben nicht oder ist nur
eine Geschichte. Ich glaube wir müssen gewaltig umdenken. Ich
meine wir wissen ja nun das es die Götter noch gibt, das sie
immer noch da sind und über uns wachen. Also warum sollte es
dann nicht auch den Phönix geben.“ Nara dachte nach. „Man könnte
es auch mit dem Glauben an die Götter vergleichen. Wie lange ist
es her das die Götter verleugnet wurden? Das sind nun auch fast
oder sogar genau fünfhundert Jahre. Doch jetzt hat es begonnen,
der Glaube wenn diese Schurken sich an das Wort der Herrin
halten, wird eventuell wieder aufleben. Der erste Tempel ist
wieder erneuert worden, nehme ich mal an. Auch wenn wir nicht
nach gesehen haben, denke ich das es so ist. Der Glaube erwacht
zu neuem Leben.“ Was die beiden auch nicht wussten oder noch
nicht mal ahnten war, das man sie als die neuen Priester ansah.
Denn die Schurken hatten auch herum erzählt das diese beiden
hoch in der Gunst der Göttin standen. Die beiden ahnten ja nicht
das hier nun ein Stein ins rollen gebracht worden war, der eine
Lawine auslösen würde und nicht mehr auf zu halten war. Und auf
einer fernen Welt tief verborgen im Universum lächelte eine
schwarz haarige Göttin über die Ereignisse die nun stattfanden.
Iron sah sie an, er liebte sie
wirklich, so zog er sie an sich: „Was denkst du wann bist du
soweit das wir wieder mit einander schlafen können? Ich will
dich und es tut mir körperlich weh, neben dir zu liegen und
nicht mehr als Küsse und einige Zärtlichkeiten zu bekommen. Der
Glaube ist mir im Moment recht egal, ich will etwas anderes.“
Sie sah zu ihm auf: „Bitte dränge mich nicht, es ist alles noch
so frisch, ich liebe dich wirklich, doch lass mir noch ein wenig
Zeit, lass uns erst mal diese Probleme lösen.“ Iron seufzte
leise, dann küsste er sie zärtlich. Lange würde er sich nicht
mehr hinhalten lassen, das wusste er. Doch gab er nun erst mal
nach. Sie betrachtete ihn, er trug nur eine Jeans und seine
Schuhe. Iron sah aus als entspränge er einem Buch der alten
Helden, er war groß, muskulös und gut aussehend. Es machte sie
schwach, wenn er sie in seine starken Arme nahm und sie seinen
kraftvollen Körper spürte und doch hielt sie etwas davon ab
seinem Drängen nach zu geben. Als er sie wieder los ließ atmete
sie auf, dann gingen beide in den Spiegelraum. Sie wollten nun
genau wissen was es damit auf sich hatte. So berührte Nara nun
das Schild auf dem „Vogel der Zeit“ stand. Und wie erwartet
sahen sie ein Nest, Iron nickte Nara zu: „Ich wusste es, also
stimmt es doch hier ist von dem Phönix die Rede gewesen.“ Nara
sah genauer hin. „Im Nest ist kein Ei, siehst du es ist leer.“
Auch Iron sah es sich nun genauer an: „Nun vielleicht hat sich
der Vogel bereits erhoben und umfliegt die Welt. Wäre doch
möglich. Du sagtest doch eben selber das die Zeit hin kommen
könnte.“ Nara nickte: „Dennoch wieso habe ich das Gefühl das es
nicht so ist? Das hier etwas nicht stimmt?“ Sie versuchte noch
näher heran zu kommen um sich das Nest noch genauer an zu sehen,
doch dann stolperte sie und wollte sich am Spiegel festhalten,
doch ehe sie sich versah war sie in den Spiegel hinein gefallen
und fand sich nun auf einer Bergspitze nahe des Nestes wieder.
Iron der es beobachtet hatte, erschrak als sie im Spiegel
verschwand, doch überlegte er nicht lange sondern trat nun auch
in den Spiegel ein. Er würde Nara nicht alleine lassen. Es war
eisig kalt, es wehte ein kräftiger Wind und Naras lange flammend
roten Haare, flatterten um ihr Gesicht. Beide froren, vor allem
Iron der nicht mal ein Hemd trug. Sie sahen sich um, hinter
ihnen war der Spiegel durch den sie die Bergspitze betreten
hatten verschwunden. Iron fluchte: „Verdammt das war ja zu
erwarten. Der Rückweg ist fort. Was nun?“ Nara hatte sich
bereits umgesehen und hatte etwas tiefer auf einem
Felsenvorsprung ein Skelett gesehen und auch das Ei entdeckt.
„Dort, da ist es, wir müssen es herauf holen und wieder ins Nest
legen.“ Iron sah Nara abschätzend an: „Na klar ohne
Bergsteigerausrüstung, kannst du mir vielleicht auch verraten
wie wir das machen sollen?“ Seine Zähne klapperten regelrecht
auf einander. Nara sah zu dem Vorsprung herab und nickte: „Ja
lass mich herunter und ich hole das Ei, anschließend ziehst du
mich wieder hoch.“ Iron sah das es eh nicht anders ging also
nickte er. „Na gut.“ Er umfasste Naras Handgelenk und ließ sie
vorsichtig auf den Vorsprung herab. Sie lief schnell zu dem
Skelett und holte das Ei, es war so groß das sie es kaum tragen
konnte, so zog sie ihr T- Shirt aus der Hose und legte das Ei da
hinein, es nun so vor dem Bauch tragend. Anschließend ging sie
zurück und streckte die freie Hand wieder nach Iron aus, der
abermals ihr Handgelenk umfasste und begann sie wieder hoch zu
ziehen. Oben angekommen ging sie schnell zu dem Nest und legte
das Ei wieder dort hinein. Iron sah sie an: „Dir ist schon klar
das wir hier erfrieren werden oder?“ Er zog sie an sich um sich
selber und auch ihr etwas Wärme zu geben. Beide sahen auf das
Ei. „Also bevor wir den nächsten Spiegel testen, das heißt
sofern wir hier noch lebend und an einem Stück heraus kommen,
werden wir uns entsprechend anziehen und Ausrüstung mit nehmen.“
Beiden wurde schwarz vor Augen, sie zwinkerten kurz und als sie
wieder etwas sehen konnten standen sie, sich immer noch feste
umarmend wieder in dem Spiegelraum vor dem Spiegel mit dem Nest.
Doch jetzt lag das Ei wieder darin und sie konnten sehen wie es
von innen aufgepickt wurde und nach einiger Zeit der Feuervogel
aus dem Ei kam. Er brannte und sie spürten die Hitze des
Feuervogels durch den Spiegel bis zu sich hin. Dann lies der
Vogel einen lauten Schrei los, nickte ihnen zu und erhob sich um
seinen Flug um die Welt zu beginnen.

Nara und Iron schleppten sich
zitternd bis ins Bad und Nara lies heißes Wasser ein,
anschließend setzten sie sich hinein um ihre fast durch
gefrorenen Glieder wieder auf zu wärmen. Sie hatten nun
erfahren, das sie auch in die Spiegel eintreten konnten und so
auch in der Lage waren etwas zu verändern. Ob man allerdings in
den Spiegel zweimal eintreten konnte wussten sie noch nicht,
doch das wollten sie später mal testen, denn Nara war der
Meinung man sollte auch das Skelett mal näher untersuchen. Denn
man hatte scheinbar versucht das Ei zu stehlen und es wäre
höchst interessant zu wissen wer und wieso. Iron stimmte ihr zu,
es konnte alles wichtig sein, selbst Dinge die man eventuell
kaum beachtete, wie zum Beispiel die Schatzkisten, die einen
viel größeren Schatz enthalten hatten, als sie zuerst angenommen
hatten, also könnte es auch durchaus sein, das der Verstorbene
ihnen auch etwas hinterlassen hatte das wichtig sein könnte.
Iron hatte einen Arm um Nara liegen und hielt sie an sich
gedrückt. „Also eins ist mal sicher, das Leben mit dir ist nie
langweilig. Doch wüsste ich etwas das es noch aufregender
gestalten könnte und auch recht ungefährlich ist.“ Damit beugte
er sich zu ihr und küsste sie nun recht leidenschaftlich,
während seine freie Hand langsam über ihren Körper strich. Nara
erwiderte den Kuss, doch als sie seine Hand auf ihrem Körper
spürte, die sie recht fordernd streichelte versuchte sie von ihm
los zu kommen. Doch Iron wollte nicht schon wieder nach geben,
also wurden seine Zärtlichkeiten nachdrücklicher und er presste
sie an sich. Nara hatte das Gefühl als hätte er den Verstand
verloren, so riss sie sich regelrecht von ihm los: „Was soll
denn das, wieso bist du auf einmal so? Ich sagte dir doch lass
mir Zeit. Wenn du mich wirklich liebst dann lässt du mir die
Zeit auch.“ Iron schüttelte kurz mit dem Kopf und sah sie an:
„Es tut mir leid, ich weiß auch nicht was in mich gefahren ist.
Bislang habe ich ein „nein“ immer akzeptiert, es tut mir
wirklich leid.“ Sie sah das er es ernst meinte. Vor allem so
kannte sie ihn gar nicht, irgendwas musste mit ihm sein. Denn
selbst in dem Rosenzimmer, hatte er sich beherrschen können.
Doch nun drängte er sie mehr als hartnäckig. Sie würde der Sache
auf den Grund gehen. Denn obwohl sie ihn noch nicht so lange
kannte, wusste sie doch das er sehr rücksichtsvoll war und
dieses drängende Verhalten passte nicht zu ihm.
Die nächste Stunde ging sie ihm
aus dem Weg und suchte in der Bibliothek nach Hinweisen was auf
sein Verhalten schließen könnte. Vielleicht stand ja etwas in
den Büchern darüber, möglicherweise hatte es etwas mit ihrem
inzwischen doch recht langen Aufenthalt in dem Tempel zu tun,
oder irgend etwas. Dann wurde sie fündig, ganz hinten im Regal
stand ein kleines Handgeschriebenes Buch, worin sie lesen konnte
das der Tempel beziehungsweise die Zugehörigkeit als Priester
zur Göttin bei den Männern starke Auswirkungen hatte. Da die
Göttin recht sinnlich und auch verlangend war, weswegen sie
wahrscheinlich auch zwei Begleiter hatte, wie man hier an nahm,
so wirkte sich dieses Verlangen auch auf die Priester aus. Vor
allem auf die Männer, weswegen es vorwiegend nur Priesterinnen
gab, da es ihnen am wenigsten ausmachte beziehungsweise auf sie
nicht diese starke Wirkung hatte. Daher kam es oft vor das die
Priester sich nicht nur auf eine Frau festlegten sondern auch
schon mal eine andere als ihre Partnerin mit ins Bett nahmen.
Die Priesterinnen wussten das und lebten mit diesem Wissen. Vor
allem da es immer mehr Priesterinnen als Priester gab und so
auch die Frauen die keinen festen Partner hatten in den Genuss
der körperlichen Befriedigung kamen. Wobei auch hier stand das
es ab und an wohl vorgekommen war das der Sohn der Herrin als
auch einer ihrer Begleiter, die Priesterinnen besuchten und sich
dort ein wenig Spaß holten. Als Nara das las schnaufte sie
leise: „Na wunderbar das kann ja heiter werden, vor allem da man
scheinbar ja nun auf uns aufmerksam geworden ist. Nun weiß ich
auch wieso es das Rosenzimmer gibt. Das wird wohl für etwas
unwilligere Priesterinnen benutzt worden zu sein. Denn das
Zimmer überzeugt.“ Iron hörte sie in der Bibliothek vor sich hin
schimpfen und betrat es, sie noch ganz zerknirscht ansehend.
Nara winkte ab: “Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben.
Mir scheint wir hatten mit der Vermutung recht, das man uns zu
Priestern der Herrin ausbildete. Denn du zeigt alle Auswirkungen
die diese wohl an sich hatten.“ Mit diesen Worten reichte sie
ihm das Buch. „Aber lies selbst.“ Auch Iron las es sich durch
und hin und wieder nickte er mal, doch als er zu dem Abschnitt
kam wo von dem Sohn und einem der Gefährten der Herrin die Rede
war sah er Nara entsetzt an. „Sie fordern also auch das die
Priesterinnen mit ihnen das Bett teilen? Sprich mit ihnen
schlafen?“ Nara zuckte mit der Schulter: „Zumindest verstehe ich
das so. Oh man, Iron in was sind wir da nur hinein geraten. Ich
will das alles nicht. Ich will es im Moment nicht mal mit dir,
geschweige denn mit einem der Kerle die zur Herrin gehören.
Götter hin oder her.“ Iron nickte, er verstand zwar nicht wieso
sie auch ihn ablehnte, doch das sie mit diesen Kerlen nichts
machen wollte verstand er sehr gut. Zudem in ihm nun die
Eifersucht hoch kochte, er ging davon aus das diese Männer schon
genau wussten wie man eine Frau herum kriegte. Er sah Nara an: „
Und nun? Ich meine mir scheint egal wo wir nun hingehen, man hat
uns wohl auserkoren und das Problem lässt sich nicht mehr
einfach damit lösen das wir den Tempel verlassen. Ich bin dir
auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Und ich nehme mal an das
wird wohl noch schlimmer als besser werden. Was sollen wir denn
nun tun? Ich finde es absolut schei.... das ich praktisch
diesbezüglich so willenlos gemacht wurde. Aber nun wundert es
mich auch nicht mehr wieso ich auf einmal so potent bin.“ Das er
so offen darüber sprach ließ Nara nun erröten, sie sah ihn
verlegen an. Als er den Blick bemerkte grinste er frech.
„Kleines ich finde es süß wenn du so rot wirst, doch gibt es
keinen Grund dafür. Es stimmt, ich war schon immer etwas
verlangender und auch recht potent. Doch als wir hier das erste
mal mit einander schliefen, war es besonders stark.“ Er redete
weiter und sah wie sie immer verlegener und glühender im Gesicht
wurde. Er sprach weiter weil er ihre Reaktion niedlich fand. Das
würde er natürlich nicht im Beisein von anderen tun, doch sie
waren ja alleine. Er las weiter, doch sah er auch immer mal zu
ihr hin. Langsam wich die Farbe aus ihrem Gesicht und es
normalisierte sich wieder. Er ging davon aus das sie zwar schon
ein wenig Erfahrung hatte, aber das vielleicht dieser Thomas ihr
erster gewesen war. Und sie sich deswegen nun auch ein wenig
zierte.
In den nächsten zwei Tagen hielt
er sich zurück, doch Nara sah das er fahrig war und sich kaum
konzentrieren konnte. Sie rechnete damit das er in kurzer Zeit
platzen würde, das er sich irgendwann nicht mehr beherrschen
konnte. Sie bereitete sich schon mal darauf vor, das heißt
andererseits überlegte sie auch, ob sie nicht auf ihn zugehen
sollte. Doch sie überlegte zu lange, denn an einem Abend war es
soweit. Sie hatte sich gerade hingelegt und trug auch wie am
ersten Abend ein T-Shirt, man musste es ja nicht heraus fordern.
Doch das nutzte ihr an diesem Abend auch nichts mehr. Er stand
neben dem Bett und sah sie an als sie sich hinein legte, dann
sah sie wie er sich komplett auszog, während er sonst immer
seine Unterhose an ließ um sie nicht zu sehr verlegen zu machen.
Sie ahnte was kommen würde, heute würde er sie nicht mehr in
Ruhe lassen. Sie überlegte kurz ob sie noch aufstehen und sich
in einem der anderen Zimmer verbarrikadieren sollte, doch dann
sah sie seinen Blick. Nein sie musste ihm geben was er brauchte,
so war er für sie kaum noch nützlich. Er drehte sich kaum das er
im Bett lag zu ihr um und sah sie an, dann presste er leise
hervor: „Ich kann nicht mehr, ich will dich und ich werde mir
nun nehmen was ich will. Es tut mir leid.“ Er beugte sich über
sie, presste sie mit seinem Körper in das Bett und der Kuss den
er ihr nun gab sprach von starkem Verlangen, sie spürte das er
immer noch versuchte sich zu beherrschen, das er noch nicht ganz
den Verstand verloren hatte, doch als sie nun ihre Arme um ihn
legte, den Kuss löste und leise hauchte: „Ich weiß und ich bin
bereit.“ war es um ihn geschehen. Wie ein Wüstensturm kam er
über sie, er war stürmisch und hart, doch spürte sie das sie
darauf reagierte. Und als er merkte das sie soweit war, wartete
er nicht mehr lange sondern nahm sich von ihr was er wollte,
nichts hätte ihn nun davon zurück gehalten. Als er den Gipfel
mit ihr gemeinsam erreichte, schrie er vor Erleichterung laut
auf. Das eine mal reichte ihm aber noch lange nicht und so
machte er auch sofort weiter, doch versuchte er nun zärtlicher
zu sein. Als Nara sich ihm allerdings wild entgegen presste,
ließ er die Zärtlichkeit und machte weiter wie zuvor. Er spürte
das es ihr sogar gefiel. Es dauerte eine Weile bis er von ihr ab
ließ, doch dann lag er neben ihr und hielt sie im Arm, er
keuchte noch atemlos und sah sie an: „Es tut mir leid, ich habe
es versucht, doch es ging nicht mehr.“ Sie nickte: „Ich verstehe
und es ist in Ordnung. Ich liebe dich und war schon am überlegen
ob ich dir nicht entgegen kommen sollte. Du sollst dich nicht
quälen.“ Er lachte hart auf: „Klar sicher, dafür quäle ich dich
und zwinge dich zu etwas das du noch nicht wolltest. Ich weiß
nicht was schlimmer ist.“ Nara sah ihn liebevoll an: „Mach dir
darüber keine Gedanken, ich wollte es schlussendlich auch.“ Er
sah sie fragend an: „Ist das wirklich wahr? Oder sagst du das
jetzt nur damit ich mir keine Vorwürfe mache?“ Sie lächelte ihn
sanft an: „Es ist wahr, ich habe mich dämlich benommen.
Schließlich hatten wir schon mal miteinander geschlafen, also
war das doch Blödsinn dich dann so hin zu halten.“ Er sah sie
noch mal kurz zweifelnd an, doch als sie ihn immer noch
liebevoll ansah, nickte er. In dieser Nacht konnte er endlich mal
wieder ruhig schlafen ohne immer wieder wach zu werden. Und am
Morgen sah Nara sofort die Veränderung, er war ruhiger geworden,
er hatte zu seiner alten Kraft zurück gefunden. Sie ging davon
aus, das wenn sie regelmäßig dafür sorgen würde, das er bekam
was er brauchte, das er dann nicht mehr so ausflippen würde.
Zudem es ihr mit ihm wirklich gefallen hatte. Ob er nun zärtlich
war oder so stürmisch wie in der vergangenen Nacht. Das wilde
passte irgendwie zu ihm und das sagte sie ihm auch. An diesem
Tag wollten sie sich noch mal das Nest ansehen und schauen ob
sie den Spiegel abermals betreten konnten. Und sich dann dem
nächsten widmen, immerhin hatten sie das Zepter des Lichts noch
nicht gefunden.

Kapitel 8: Ein Tempel erwacht zu
neuem Leben

Doch als erstes wollten sie sich
aber mal den Tempel ansehen den die Herrin wieder hergestellt
hatte. Wenn sie auch die letzten Tage nicht mehr daran gedacht
hatten so fiel es ihnen nun aber wieder ein. So begaben sie sich
zum Portalraum und waren innerhalb von Sekunden im anderen
Tempel angekommen. Anschließend noch die Rune genutzt die sie
nach oben bringen würde und sie standen im oberen Altarraum, um
dort recht dumm aus der Wäsche zu schauen. Der Tempel war in der
Tat wieder hergestellt, zumindest soweit sie es sehen konnten.
Doch auf einigen der Bänke die nun im oberen Altarraum standen
saßen Menschen, die nun aufsprangen als sie dort erschienen. Sie
sahen sich die Leute an, es waren junge Menschen, vier junge
Frauen und zwei Männer, alle eher jünger als sie, denn älter.
Als diese die beiden bemerkten sprangen sie auf und gingen
langsam nach vorne, dabei den Kopf leicht gesenkt. Nara und Iron
waren noch zu sprachlos um etwas sagen zu können, sondern sahen
nur die jungen Leute an. Überall standen auch noch Gerätschaften
herum von den Spezialisten die den Tempel untersucht hatten,
doch von denen war erst mal nichts zu sehen. Dann sah Nara
wieder auf die jungen Leute, die sich nun genähert hatten und
sich vor sie hin knieten. Nara schüttelte den Kopf: „Hallo was
soll das? Wir sind doch keine Götter, also steht mal schnell
wieder auf.“ Und Iron fragte: „Was wollt ihr hier, was ist hier
los?“ Da die beiden für die jungen Leute aus dem Nichts
erschienen waren, hatten diese sie im ersten Moment
irrtümlicherweise für Götter gehalten. Einer der jungen Männer
sah die beiden dann an, nach dem sich alle wieder erhoben
hatten. „ Nun es wird in allen Nachrichten gebracht, Fernsehen,
Zeitungen, Radio und so weiter, das die Götter auferstanden
sind. Dann müsst ihr wohl die beiden sein die in der Gunst der
Götter stehen und ihre ersten Priester. Wir wollen der Göttin
dienen und als Novizen aufgenommen werden.“ Nara sah Iron
sprachlos an. „Soviel dazu, wir sollten es noch ein wenig geheim
halten. Nun weiß es die ganze Welt.“ Und richtig, nachdem die
ersten Wissenschaftler es bestätigt hatten, das es sich hier um
kein von Menschenhand erneuertes Gebäude handelte, ging es wie
ein Lauffeuer um die Welt. Die Götter waren auferstanden und die
Tempel würden zu neuem Leben erwachen. Als nun auch die
Wissenschaftler, Archäologen und so weiter den Tumult im inneren
des Tempels mit bekamen, liefen sie hinein und sahen vorne am
Altar nun Iron und Nara stehen. Die beiden waren ihnen durch die
Nachrichten bekannt, denn die Schurken hatten eine recht genaue
Beschreibung gegeben und die Nachrichtenredakteure hatten aus
den Universitäten Bildmaterial über die beiden besorgt. Nun
wurden sie nicht nur von den jungen Leuten belagert sondern auch
noch von einigen Kollegen und alle redeten auf sie ein, bis Iron
der Kragen platzte und er brüllte: „Haaaalt es reicht. Einer
nach dem anderen.“ Denn es ging die ganze Zeit: „Wie habt ihr
die Götter entdeckt? Werden auch die anderen Tempel wieder
erneuert? Was habt ihr an Wissen gewonnen? Habt ihr etwas über
die alten Riten erfahren? Wie werden sie ausgeführt? Könnt ihr
die Götter herbei rufen? Gibt es die Artefakte der Macht
wirklich?“ Und der gleichen mehr. Fragen die sie zum Teil noch
nicht beantworten wollten. Iron sah Nara an: „Ich denke wir
sollten uns aufteilen, du kümmerst dich mal um die neuen Novizen
und ich mich um unsere Kollegen. Was meinst du? Die Tempelanlage
müssen wir uns dann später ansehen.“ Nara nickte, das wäre wohl
das beste. Der junge Mann der sich eben schon als Sprecher der
jungen Leute hervorgetan hatte, nahm Nara sachte am Arm. „Es
gibt einen Arbeitsraum für die Hohepriesterin, wenn sie mir
folgen, zeige ich ihnen den.“ Nara seufzte leise und nickte: „Na
gut dann mal los, bevor noch mehr kommen und uns löchern.“ Dann
führte sie der junge Mann aus dem Altarraum, nun sah Nara auch
das von beiden Seiten des Altarraums lange Gänge abgingen, an
denen rechts und links weitere Türen waren. Hier und da stoppte
sie mal und öffnete eine der Türen und sah hinein. Es schien
Wohnräume zu geben und Bäder die aber im Gegensatz zu denen im
unteren Bereich mit profanen Wasserreglern bestückt waren. Nara
grinste leicht als sie es sah. Ihr wurde damit klar, das auch
die Götter nicht wollten das alles bekannt wurde. Iron ging es
nicht anders, er gedachte das eine mit dem anderen zu verbinden
und ging mit den Wissenschaftlern den anderen Gang ab, wo es
ähnlich aussah wie bei Nara. Es gab auch eine gut bestückte
Bibliothek, in der Iron nun den Rest der Wissenschaftshorde sah.
Diese lasen sich bereits durch die Bibliothek. Er schmunzelte.
Er ging mal davon aus das dort nur Bücher stehen würden die
wirklich für die Allgemeinheit bestimmt waren. Da seine werten
Kollegen ihn ja noch mit Fragen bombardiert hatten, war wohl
nicht alles Wissen hier zu finden.
Als Nara am Ende des Ganges ankam
stand sie vor dem letzten Raum der sich genau am Kopfende des
Ganges befand. Dort waren wieder die Doppeltüren zu sehen und
die beiden Löwenköpfe mit den Ringen um die Türe zu öffnen. Als
sie den Raum betrat sah sie dort einen großen Schreibtisch
stehen, an den Wänden weitere Regale mit Büchern und einige
Sessel vor dem Schreibtisch. An der linken Seite des Raumes war
eine Türe, allerdings ohne Klinke. Der junge Mann zuckte leicht
mit der Schulter. „Diese Türe konnten wir leider nicht öffnen,
wir wissen also nicht was dort hinter ist.“ Nara sah zur Türe
und sah darauf eine hell leuchtende Rune. Sie sah die jungen
Leute an und überlegte wie sie sie unauffällig fragen konnte ob
sie die Rune nicht sehen würden. „Fällt ihnen an der Türe nichts
auf?“ :fragte sie harmlos in die Runde. Die jungen Leute sahen
sich gegenseitig fragend an, dann schüttelten alle einheitlich
den Kopf. Nara nickte, sie verstand, die Rune war also nur für
sie und vermutlich für Iron sichtbar, aber für alle anderen
nicht. „Also gut, dann sehen wir doch mal nach was sich dahinter
befindet.“ Die jungen Leute wollten schon sagen das man die Türe
nicht öffnen könnte, als Nara bereits zur Türe schritt, die Rune
berührte und die Türe sich wie erwartet öffnete. Man sah sie
sprachlos an: „Öhm.äh..sie geht ja doch auf. Wie haben sie das
nur gemacht?“ Nara drehte sich um: „Also erst mal nennt mich
Nara und zum anderen, wie ich die Türe öffnete ist bereits
Priesterwissen und das steht euch als Novizen noch nicht zu.“
Das sahen auch alle ein und nickten daher. Nara freute sich
diebisch, wenn sie eine Frage nicht beantworten wollte beruhte
sie sich einfach darauf, das es Wissen war, das nur den
ausgebildeten Priestern zustand. Ähnlich hielt es auch Iron,
wenn man eine Frage an ihn stellte die er absolut nicht
beantworten wollte, sah er seine Kollegen an, schüttelte den
Kopf und meinte: „Tut mir leid aber das ist internes Wissen der
Priester und darüber darf ich nicht reden. Wenn ihr mehr wissen
wollt müsst ihr schon dem Tempel als Novizen beitreten.“ Das
wollte natürlich keiner also fragte man nicht weiter.
Nara betrat mit ihren Novizen nun
einen Gang von dem drei Türen abgingen, die erste führte in ein
kostbares Schlafgemach, das wohl der Hohepriesterin gehörte von
dem eine weitere Türe abging, die wie sie vermutete ins Bad
führte, die zweite Türe führte in einen Portalraum, der aber
nicht wie die unteren, mehrere Runen an den Wänden enthielt,
sondern lediglich eine mit der man in den unteren Bereich reisen
konnte. Als einer der jungen Leute merkwürdig schaute und sie
ihn fragend ansah meinte dieser nur: „Oh der Raum ist ja leer.“
Die letzte Türe führte in einen Runenraum, wie sie ihn schon
kannte. Allerdings lies sie hier keinen eintreten, vor allem
nicht als sie bemerkte das die jungen Leute hier die Rune sahen,
die auf dem Boden aufgezeichnet war. Denn sie schnatterten
untereinander wie Enten und diskutierten darüber was das für ein
Zeichen sei und wofür es wohl gedacht war. Anschließend verließ
Nara mit ihrer Gruppe den Gang und betrat mit ihnen wieder das
Arbeitszimmer. Dann setzte sie sich an den Schreibtisch und bat
auch die jungen Leute sich zu setzen. Nara seufzte leise. Sie
wollten sich lediglich mal den erneuerten Tempel ansehen und das
war das Ergebnis, statt sich um die weiteren Spiegel kümmern zu
können, mussten sie nun neue Novizen aufnehmen und den Tempel in
Gang bringen.
In Irons Gang schienen die
praktischen Räume zu sein, dort gab es die Bibliothek,
Wäschekammern, einen Aufenthaltsraum, Küche und Speiseraum,
einige Besprechungszimmer, Waschküche, wobei als er die sah
grinste er, auch die Götter schienen mit der Zeit zu gehen, denn
anstatt wie man hätte vermuten können das man dort mit Bottichen
hätte arbeiten müssen, standen dort moderne Waschmaschinen und
Trockner. Des weiteren gab es noch ein zweites Arbeitszimmer das
aber kleiner als das der Hohepriesterin war. Es schien für ihren
Gemahl oder Gefährten zu sein. Er nickte. Bis dahin hatte er
alle Fragen die man an ihn stellte und die er beantworten wollte
und konnte auch beantwortet. Seine Kollegen war zwar noch nicht
zufrieden, doch war ihm das auch vorher schon klar gewesen. Nun
drehte er sich zu ihnen um: „Es reicht, Nara und ich sind ja
nicht aus der Welt, wir werden regelmäßig Besprechungen abhalten
und dann können sie ihre Fragen stellen. Doch für heute reicht
es erst einmal. Ich muss mal sehen wie weit Nara mit den neuen
Novizen ist.“ Seine Kollegen nickten, sie sahen ein das sie
heute von dem jungen Priester nichts mehr erfahren würden. Als
er bei Nara ankam, hatte diese bereits begonnen mit den jungen
Leuten das praktische zu besprechen. Sie hatte sich deren Namen
und Alter notiert, wobei sie feststellte das diese tatsächlich
nicht älter sondern eher jünger als sie waren. Das
Durchschnittsalter der sechs jungen Leute lag bei zwanzig
Jahren. Sie hatte jeden gefragt warum er oder sie Novize werden
und der Göttin dienen wolle. Die Antworten waren verschieden,
einige weil sie an die Göttin wirklich glaubten, andere weil
ihre Eltern es für eine gute Idee hielten oder eben aus anderen
Gründen. Nara sagte ihnen, das sie sich in den Schlafräumen ein
Bett aussuchen dürften, allerdings erst mal nach Geschlechtern
getrennt. Dann teilte sie ihnen mit das sie geprüft werden
würden, auf Ehrlichkeit und ob sie für die Priesterschaft
geeignet wären. Dann bleute sie ihnen ein das egal was sie
erfahren würden, sie zur Verschwiegenheit verpflichtet seien,
was die Interna des Tempels anging. Das verstanden alle und
nickten. Anschließend erklärte sie ihnen das es täglich einige
Stunden geben würde in denen sie geschult werden würden,
vorausgesetzt sie würden die Prüfung bestehen.
Dann machte sie eine
Auftragsliste fertig, die sie dem jungen Mann gab der sie
angesprochen hatte. „Sorgt dafür das der Tempel Personal
bekommt, darum können sich weder Iron noch ich kümmern. Da wir
auch noch unseren Dienst an der Herrin verrichten müssen. Es
werden Reinigungsfrauen, Köche und ähnliches gebraucht werden.
Das Personal kann wenn es will sich im Dorf ein Haus aussuchen.
Ich gehe mal davon aus das dieses auch wieder hergerichtet
wurde.“ Als die jungen Leute nickten sah sie bestätigt, das das
Dorf zur Tempelanlage gehörte. „Also gut, zu den
Wissenschaftlern oder Reportern kein Wort was nicht ausdrücklich
erlaubt ist. Ist das klar?“ Als sie soweit gekommen war betrat
auch Iron den Raum und setzte sich auf die Schreibtischkante und
sah noch wie alle nickten. Dann sah Nara jeden der jungen Leute
an, alle machten einen ehrlichen Eindruck. Sie nickte. „Da es um
die ganze Welt ging, werden sich wahrscheinlich noch mehr melden
die den Dienst an der Herrin aufnehmen wollen. Sollten diese
eintreffen, so teilt ihnen Betten zu und instruiert sie das sie
erst mal schweigen.“ Iron sah sich ebenfalls die jungen Leute
an, nahm den Zettel mit der Liste ihrer Namen zur Hand und sah
darauf. „Ach und notiert euch deren Namen und Alter, so wie Nara
es bei euch getan hat. Fragt sie welchen Grund sie haben dem
Tempel beitreten zu wollen und notiert alles sorgfältig. Wenn es
zu viele werden, also mehr als Schlafplätze vorhanden sind,
setzt sie auf eine Warteliste, ich gehe mal davon aus das auch
weitere Tempel bald erneuert und somit Platz für weitere Novizen
geschaffen werden. Wobei wir wohl noch nicht wissen, wie wir das
alles bewältigen sollen.“ Nara sah zu Iron auf, „Wir brauchen
Geld um alles bezahlen zu können. Würdest du wohl etwas holen?“
Iron grinste, er wusste was sie meinte. Nara deutete zu der Türe
mit der Rune. „Du kannst diesen Weg nehmen.“ Er nickte kurz und
öffnete die Türe, wobei ihn nun auch die jungen Leute wieder
verwundert ansahen. Nun Nara hatte nicht umsonst ihn geschickt,
weil so konnten die Novizen sehen das er absolut gleich
berechtigt war und die gleichen Fähigkeiten wie sie hatte, mal
abgesehen davon der es besser tragen konnte als sie. Kurze Zeit
später kam Iron zurück und trug eine kleine Truhe, er hatte sich
bei der Göttin entschuldigt das sie sich einen kleinen Teil des
Schatzes nehmen würden, für den Tempel. Die kleine mit
Goldmünzen gefüllte Truhe stellte er nun auf dem Schreibtisch
ab. „Das Gold könnt ihr verwenden um das Personal zu bezahlen.
Da wir noch keine Tempelkleidung haben werden wir uns mal bei
der Herrin erkundigen was die traditionelle Kleidung ist und ihr
werdet anschließend einen Schneider beauftragen sie für uns an
zu fertigen. Ihr seid die ersten und somit eventuell später auch
mal für die Verwaltung eines Tempels vorgesehen. Also enttäuscht
uns und die Herrin nicht. Und nun geht.“ Als Nara fertig war,
erhoben sich die jungen Leute und suchten sich, wieder natürlich
unter pausenlosem Geschnatter, erst mal einen Schlafplatz. Iron
sah Nara an: „Also damit hatte ich nicht gerechnet.“ Nara
nickte: „Ich auch nicht, es wird immer stressiger. Was als ein
Abenteuer begann, entwickelt sich nun zu einer Weltumfassenden
Angelegenheit.“ Iron zog sie aus dem Stuhl hoch und an sich.
„Wir werden es schon schaffen, glaub mir, wir sind jung und
stark. Und wie die Herrin sagte, zusammen unschlagbar.“ Er
grinste sie frech an, dann küsste er sie bevor sie auch nur
antworten konnte.
Den jungen Novizen würde ein
gutes Leben bevor stehen. Die männlichen fanden Nara zum anbeten
und die weiblichen bewunderten Iron. Es war vor allem keiner
unter ihnen der es nicht ehrlich meinte. Nara und Iron konnten
ja nicht ahnen, das die Tempel noch eine besondere Eigenheit
hatten um falsche Priester und Priesterinnen von vorne herein
aus zu schließen, doch würden sie darüber bald mehr erfahren.
Ebenso wie die Wissenschaftler feststellen würden, das sie das
Arbeitszimmer der Hohepriesterin ohne ihre ausdrückliche
Erlaubnis nicht betreten konnten. Denn natürlich erfuhren sie
durch das Geplauder der neuen Novizen untereinander auch von der
Truhe mit Gold, doch als sie versuchten die Türe zu öffnen tat
sich nichts. Wobei sie aber später sahen das die Novizen die
Türe öffnen konnten. Doch wenn sie versuchten mit ein zu treten
liefen sie am Eingang wie vor eine Wand. Der Tempel schützte das
was in seinem inneren war, was nun zu Spekulationen führte wieso
man dann damals die Tempel zerstören konnte. Man notierte sich
die Fragen um sie später Iron zu stellen und hoffte das er sie
beantworten würde.
Iron und Nara sahen sich nun
einer Wulst von Problemen gegenüber, sie mussten neue Priester
ausbilden, dafür sorgen das die anderen Tempel eventuell auch
erneuert wurden, wobei sie natürlich auf die Hilfe der Göttin
hofften. Dann fehlte ihnen immer noch das Zepter, ebenso wie sie
nach wie vor nicht sicher sein konnten ob der Muttertempel nicht
doch noch betrieben wurde. Als die beiden nun zusammen saßen,
wobei Nara auf Irons Schoß saß und er sie umfasst hielt
unterhielten sie sich darüber was sie nun als erstes in Angriff
nehmen sollten. Iron war der Meinung das Zepter habe Vorrang,
wobei Nara eher dafür war nach dem Muttertempel zu suchen und
eventuell darauf zu hoffen das sie dort noch einige Erkenntnisse
erhalten würden, die ihnen fehlten. Im Grunde sah es Nara so das
sie selber grundsätzlich noch Novizen waren. Und wie sollte man
jemanden ausbilden wenn man selber nur einen Bruchteil wusste?
Iron musste sich ihrer Weisheit beugen und grinste sie an: „Die
hohe Lady hatte recht, du bist wirklich weise. Also gut suchen
wir nach dem Muttertempel und schauen was uns dort erwartet. Und
wer weiß vielleicht finden wir tatsächlich noch einen Tempel vor
der betrieben wird.“ Als später die Novizen das Arbeitszimmer
betraten war es leer, Iron und Nara waren verschwunden, nur die
Truhe mit den Goldstücken stand noch auf dem Schreibtisch.

Kapitel 9: Der Muttertempel

Iron und Nara hatten erst mal die
Idee, den Teleportraum zu benutzen, doch als sie es versuchten,
funktionierte es nicht. Die Rune für den Muttertempel aktivierte
sich nicht. Also mussten sie auf herkömmliche Art reisen. So
buchten sie am nächsten Tag einen Flug zu den Südgebirgen. Ihnen
war klar das es auch von der nächsten Stadt aus noch ein
beschwerlicher Weg ins Gebirge sein würde. Doch hofften sie
darauf, zu finden was sie suchten. Als sie nach einige Stunden
dort ankamen, mieteten sie sich Lasttiere um einiges an
Ausrüstung auf ihnen zu verstauen. Dann machten sie sich auf den
Weg hoch ins Gebirge. Sie hatten im Tempel einen ungefähren
Lageplan gefunden so mussten sie zumindest nicht das ganze
Gebirge absuchen. Als es Abend wurde, hatten sie mal gerade den
halben Weg geschafft und bauten so ihr Zelt auf um zu
übernachten. Schon recht früh, nach einer an sich ereignislosen
Nacht, packten sie wieder alles zusammen und gingen weiter.
Gegen Mittag hatten sie dann den etwaigen Zielort erreicht. Sie
standen vor einer flachen doch recht hohen Felswand. Nara sah
noch mal auf dem Plan nach. „Also hier irgendwo müsste er sein.
Nur sehe ich nichts.“ Iron erging es nicht besser: „Also ich
sehe auch nichts. Kann es sein das eventuell ein Ritual von
Nöten ist das die Unsichtbarkeit für uns aufhebt?“ Nara hatte
bereits das Buch aus ihren Rucksack genommen in dem sie über den
Tempel gelesen hatte. Doch fand sich kein Ritual darin das man
abhalten konnte, noch wie man die Unsichtbarkeit aufheben
könnte. Sie suchte das gesamte Buch ab, dann fiel ihr eine Seite
auf die ein wenig umgeknickt gewesen sein musste, denn in der
Mitte waren einige Knicke zu sehen. Da ihr eh nichts anderes
einfiel, knickte sie die Seite abermals so ein und als sie nun
darauf sah, bemerkte sie das sich der Text verändert hatte. Sie
nahm das Buch und stellte sich vor die Felswand und las nun den
Text laut vor den sie entdeckt hatte. Iron sah sie fragend an,
doch ließ er sie machen, schaden konnte es ja nicht, dachte er
so bei sich. Und als sie am Ende angekommen war, flimmerte die
Felswand leicht auf, also wiederholte sie den Text ein weiteres
mal nun noch etwas lauter. Und abermals flimmerte die Felswand.
Dann stellte sich Iron hinter sie, sah über ihre Schulter
ebenfalls in das Buch und nun wiederholten sie den Text
gemeinsam. Dann geschah es, langsam kristallisierten sich zwei
mächtige Tore, die mindestens zehn Meter hoch waren aus der
Wand, die sich nach dem sie sichtbar geworden waren knirschend
öffneten. Iron und Nara nahmen schnell ihre Packtiere und traten
dann durch die Tore. Kaum hatten sie die Tore durchschritten
knallten sie hinter ihnen wieder zu und man sah wieder nur eine
Felswand. Doch vor ihnen breitete sich ein blühendes Tal aus, in
deren Mitte eine gigantische Tempelanlage stand. Langsam
schritten sie mit ihren Packtieren auf die Anlage zu. Es gab
einige Häuser, die an den Eingängen von Säulen eingerahmt waren,
in ihrer Mitte schien der eigentliche Tempel zu stehen. Alles
strahlte in hellem weißen Marmor. Doch sah es auch recht
ausgestorben aus. Es war nichts zu hören bis auf die Vögel die
sangen oder auch hier und da mal ein anderes Tier. Man sah das
es Felder gegeben hatte die man irgendwann mal bewirtschaftet
hatte, die aber nun scheinbar schon seit einer Ewigkeit brach
lagen. Auch gab es Obstgärten mit Bäumen, ebenso wie auf einem
Hang ein Weinberg zu sehen war. Doch alles schien seit einer
sehr langen Zeit nicht mehr genutzt worden zu sein. Als sie sich
dem Haupttempel näherten sahen sie wie eine alte Frau am Eingang
stand. Sie hatte weißes Haar, ihr Rücken war gebeugt und sie
stützte sich auf einen Stock. Iron und Nara ließen ihre
Packtiere stehen und schritten auf die alte Frau zu. Diese sah
sie an. „Ihr seid endlich gekommen, wir haben so lange auf euch
gewartet. Wie viel Zeit ist nur vergangen?“ Die beiden jungen
Leute sahen auf die alte Dame nieder und Iron fragte sanft: „Wer
hat so lange auf uns gewartet und wieso wussten sie das wir
kommen würden?“ Die alte Dame lächelte: „Tretet erst mal ein,
alle eure Fragen sollen beantwortet werden.“ Sie strich Nara
sanft über deren Wange: „Kind du bist noch schöner als in meinen
Träumen. Nun wird die Herrin wieder zu ihrem Recht kommen, das
ich das noch erleben darf. So lange, ach so lange haben wir
gewartet.“ Tränen rannen der alten Dame die Wangen herab, als
sie sich um wandte und den Tempel betrat. Iron und Nara folgten
ihr. Sie führte die beiden jungen Leute in einen recht luxuriös
eingerichteten Raum. Sie deutete auf zwei Sessel am Kamin:
„Setzt euch Kinder und esst und trinkt etwas. Dann werden wir
uns unterhalten.“ Nara nickte sachte, doch Iron sah die alte
Dame an: „Verzeihen sie mir bitte sollte ich unhöflich sein,
doch möchte ich unsere Tiere erst von ihrer Last befreien. Dann
können wir gerne reden.“ Die Dame lächelte Iron zu: „Nein mein
Junge du bist nicht unhöflich, im Gegenteil es zeugt von deiner
ehrlichen und rücksichtsvollen Persönlichkeit. Geh nur und
entlaste die Packtiere.“ Iron nickte noch mal freundlich dann
ging er und die alte Dame sah Nara an: „Kind da hast du aber
einen stattlichen Mann. Wäre ich einige Jährchen jünger könnte
er mir wohl auch noch gefährlich werden.“ Dabei zwinkerte sie
Nara schelmisch zu. Nara lachte herzlich, die alte Dame gefiel
ihr. So setzte sie sich auf den angebotenen Platz und nahm sich
etwas von dem gedeckten Tisch. Die alte Dame setzte sich in
einen Sessel neben ihr und sah sie immer wieder an. Nara
bemerkte den Blick und sah die alte Dame an: „Darf ich ihren
Namen erfahren? Oder ist das nicht gestattet?“ Nun lachte die
Dame leise: „Nun war ich wohl unhöflich, ich heiße Donna und war
die ehemalige Hohepriesterin des westlichen Tempels.“ Nara blieb
fast das was sie gerade in den Mund steckte im Hals stecken:
„Sie sind Donna? Wirklich die Donna die das Tagebuch zurück
ließ. Das ist fast fünfhundert Jahre her. Wie kann das sein?“
Und als Donna nickte, sah Nara sie zerknirscht an. „Verzeihen
sie mir ich habe die letzten Seiten gelesen.“ Inzwischen kam
auch Iron zurück und bekam noch den letzten Rest mit, er sah
Donna ebenso überrascht und verwundert an: „Wie kann das sein?
Wie Nara schon sagte das ist sehr lange her.“ Er setzte sich in
den freien Sessel und sah weiterhin Donna an, diese nickte: „Nun
das ist relativ einfach erklärt. Wenn Nara die letzten Seiten
gelesen hat, wird ihr auch nicht entgangen sein das dort vom
großen Rat die Rede war. Nun der große Rat bestand, jeweils aus
den Hohepriesterinnen der verschiedenen Tempel, ebenso wie ihren
Gefährten. Die Herrin richtete eine Grabkammer ein, allerdings
etwas anders als es euch bekannt ist. Dort legten wir uns zur
Ruhe um die Zeit zu überstehen. Wenn eine von uns zu alt wurde
und der Tod nahte, weckte sie die nächste in der Rangfolge und
deren Gefährten. Diese wartete dann ebenfalls bis auch sie zu
alt wurden und so weiter. Ich bin die letzte. Mein Gefährte
starb vor ungefähr fünf Jahren. Ich kam deswegen als letztes
dran, weil ich mir sehnlichst wünschte noch mit zu erleben das
sie ihren Platz wieder einnehmen würde. Und das scheint nun der
Fall zu sein. Und es macht mich sehr glücklich. Ihr beide werdet
die Nachfolge antreten, ihr werdet dafür sorgen das die Herrin
wieder überall angebetet wird. Wir blieben zurück um euch alles
zu zeigen, euch über die Riten zu schulen und auch alles andere
was ihr wissen müsst.“ Langsam verstanden Nara und Iron. Nara
lächelte Donna sanft an: „Dann wird es sie freuen, das wir erst
vor wenigen Tagen, die ersten Novizen aufnahmen. Und stellen sie
sich vor, es war ihr Tempel der als erstes erneuert wurde.“ Das
freute Donna wirklich. Sie strahlte die beiden jungen Leute an.
„Doch eine Frage habe ich, wir versuchten mit der Reiserune hier
her zu gelangen, doch sie aktivierte sich nicht. Was ist
passiert? Wieso ist sie nicht aktiviert?“ Donna sah Nara an und
nickte verstehend: „Nun, als alle hier angekommen waren, haben
wir die Rune hier auf Geheiß der Göttin deaktiviert. Sie wollte
verhindern das es irgendeinem gelingen würde hier her zu kommen.
Wir mussten absolut sicher sein. Doch jetzt können wir sie
wieder aktivieren, so müsst ihr nicht mehr zurück reisen wie ihr
hergekommen seid.“ Iron sah sie an: „Nun ja bis auf unsere
Lasttiere, die sind nur gemietet und die müssen wieder an ihren
Besitzer zurück gegeben werden.“ Donna lächelte: „Das sind sie
bereits, kurz nach dem du sie von ihrer Last befreit hast, hat
die Herrin sie wieder zurück geschickt. Die Herrin ist gütig und
denkt an alles.“ Nachdem sich beide etwas gestärkt hatten,
zeigte Donna ihnen ihre Unterkunft, doch bevor sie sich
verabschiedete, fragte Nara sie noch: „Wo sind die anderen
Priesterinnen und ihre Männer oder deren Nachkommen?“ Donna sah
sie kurz an, einen Moment lang sah man den Schmerz in ihrem
Gesicht. „Alle dem Lauf der Zeit gefolgt. Sie sind gestorben und
Nachkommen bis auf die Kinder die wir mitbrachten, kamen keine
mehr. So bin ich tatsächlich die letzte von ihnen. Doch bin ich
nicht undankbar, ich erlebe noch mit wie meine Herrin ihren
Platz wieder ein nimmt und zu ihrem Recht kommt. Das ist mehr
als alle anderen hatten.“ Dann drehte sie sich um: „Ruht euch
gut aus, morgen beginnen wir mit dem Unterricht. Ihr solltet
wissen was ihr euren Novizen beibringen müsst.“ Nara und Iron
unterhielten sich noch eine ganze Weile über das was sie
erfahren hatten, doch dann legten sie sich auch schlafen. Sie
hatten noch einige Fragen die sie stellen wollten, doch die
würden bis morgen warten müssen.
An den nächsten Tagen erfuhren
sie einiges von Donna. Als erstes zeigte sie ihnen wie man die
Runen aktivieren und deaktivieren konnte. Angesprochen auf Irons
überstarkes Verlangen, bekamen sie als Antwort das es an den
Runen lag. Da diese durch einen Liebesakt aktiviert wurde,
verband es die beiden mit einander die die Rune aktivierten und
zugleich verband es sie auch mit der Herrin, wodurch das
Verlangen des Mannes gesteigert wurde. Ihnen wurde erklärt das
es diesbezüglich zwei Arten von Runen gab, zum einen die die sie
bekommen hatten, die für die Hohepriesterin und den Hohepriester
war und dann die Rune die für die einfachen Priesterinnen galten
ebenso wie den Priestern. Sollte es irgendwann mal sein das eine
normale Priesterin und deren Gefährte im Rang aufstiegen, würden
sie in den entsprechenden Runenraum gehen müssen und die Runen
würden angepasst. Nun wurde ihnen auch so einiges klar, vor
allem wieso es in den oberen Räumen einen weiteren Runenraum
gab. Die normale Rune verband allerdings nicht die Priesterin
und ihren Gefährten, sondern war sofort aktiv nachdem die
Priesterin oder auch der Priester sie bekommen hatte. Die Ringe
verband die beiden Gefährten miteinander womit sie dann auch
eventuell Zugang zum internen Bereich des Tempels hatten, sprich
die Schatzkammer als auch alle anderen im unteren Bereich
befindlichen Räume, vorausgesetzt sie hatten die Erlaubnis der
Hohepriesterin. Ab und zu, wenn ein besonderes Kind geboren
wurde, bekam es ebenso den Ring der es mit der Mutter verband,
womit auch das Kind Zugang zum unteren Bereich hatte. Die Kinder
wurden nicht nur von den Eltern erzogen sondern von der gesamten
Priesterschaft, weil es den Priesterinnen nicht immer möglich
war ihre Kinder selber zu erziehen, sei es durch starke
Pflichten oder ähnliches. In manchen Fällen wusste man auch
nicht mal genau wer der Vater war, da die Priesterinnen auch mit
anderen Priestern als ihrem Gefährten schliefen. Ebenso wie die
Priester es nicht immer so genau nahmen. Wenn sie das Verlangen
übermannte, nahmen sie sich die Frau die sich ihnen anbot.
Eifersucht gab es nicht. Donna räumte ein das es auch schon mal
vor kam, das es sehr treue Partnerschaften gab, doch war es für
die nicht immer leicht auch die Treue ein zu halten. Dennoch gab
es sie. Es war jedem Angehörigen der Priesterschaft selbst
überlassen ob sie sich nur mit einem einließen oder auch mal
wechselten. Was nun die beiden Götter anging, sprich den Sohn
der Herrin und einem ihrer Gefährten, so war es immer und
grundsätzlich auf freiwilliger Basis ob sich eine Priesterin mit
ihnen einließ oder es ablehnte. Doch galt es als hohe Ehre
auserkoren zu werden, den beiden einige schöne Stunden zu
bereiten. Auf Naras Frage welcher der beiden Gefährten sich
schon mal eine Priesterin nahm, bekam sie zur Antwort, der
Geliebte der Herrin. Es wäre bekannt das ihr Gemahl ihr treu
wäre. Allerdings habe der Sohn einen hohen Verschleiß da er sehr
ausdauernd und potent wäre, womit nicht jede Frau zurecht käme
so das er sich oft mehrere Frauen mit auf das Zimmer nahm. Ihn
konnte man aber um Nachwuchs bitten auch wenn man unfruchtbar
war, machte er es möglich das so einem Paar Nachwuchs geschenkt
wurde. Es war den Priesterinnen nicht gestattet Verhütungsmittel
zu nehmen, ausgenommen der Hohepriesterin. Donna machte ihnen
klar das jedes Kind in den Augen der Herrin ein Geschenk war.
Die Hohepriesterinnen waren davon nur deswegen ausgenommen, da
ihre Pflichten doch oft sehr hoch, anstrengend und mannigfaltig
waren, so das man ihnen nur dann eine Schwangerschaft zumuten
wollte, wenn es ihr eigener Wunsch war. Nachdem das soweit alles
geklärt war, führte Donna sie in die Riten und Anrufungsgebete
ein und erklärte ihnen das jeder zu ihnen kommen dürfe und das
es der Hohepriesterin oblag zu entscheiden ob man damit die
Herrin belästigen wolle oder nicht. Als sie auch das alles
wussten, wurden ihnen die offiziellen Roben gezeigt die man
tragen konnte. Diese waren recht offenherzig, das heißt der
Priester trug meistens eine weiße Hose ob lang oder kurz
überließ man ihm und dazu immer ein weißes Seidenhemd das
allerdings nur zwei Knöpfe besaß die am unteren Teil des Hemdes
angebracht war und somit die Brust recht offen ließ. Bei den
Frauen war es ähnlich, auch hier waren die Roben recht
offenherzig, die Damen konnten wählen zwischen kurzem Rock oder
langer Hose, wie die Herren und deren Bluse war ebenfalls recht
offen geschnitten so das man auch einen Blick auf das Dekolletee
haben würde. Novizinnen als auch Novizen trugen noch
offenherzigere Kleidung, während die älteren langsam hoch
geschlossener gehen durften, ähnlich der Kleidung die nun Donna
trug. Sie gab ihnen auch eine Ausstattung für jeden Rang mit,
die sie nach schneidern lassen konnten. Donna trichterte ihnen
in kürzester Zeit alles ein was sie wissen mussten, als habe sie
Angst nicht mehr fertig zu werden. Ebenso erfuhren sie nun das
die Tempel von der Herrin einen gewissen Schutz bekommen hatten,
der es zwielichtigen Gestalten unmöglich machte als Priester in
ihre Dienste zu treten, so das sie jedem Novizen der sich bei
ihnen meldete absolut vertrauen konnten. Ebenso wurde ihnen
erklärt das kein unbefugter die Räume der Hohepriesterin ohne
deren ausdrückliche Erlaubnis betreten konnte. Und das es damals
nur möglich war, das die Tempel zerstört werden konnten, weil
die Herrin es so voraus gesagt und ihren Schutz bis auf die
heiligen Räume abgezogen hatte. Und da sie den westlichen Tempel
wieder hergestellt hatte deutete darauf hin das sie dort auch
ihren Schutz wieder voll zum Einsatz gebracht hatte.
Als Iron und Nara nach wenigen
Tagen alles wussten was sie wissen mussten baten sie Donna sie
doch zu begleiten und ihren Lebensabend in ihrem alten Tempel zu
bestreiten. Doch Donna lehnte ab. Und an dem Morgen als sie
abreisen wollten wussten sie auf einmal auch wieso, denn als
Donna nicht zum Frühstück erschien, sah Nara bei ihr nach und
fand sie friedlich entschlafen in ihrem Bett vor. Die beiden
verschoben ihre Abreise noch um wenige Stunden und betteten
Donna neben ihrem Gefährten in den Katakomben, wo auch bereits
alle anderen lagen. Nara tat es leid, sie hatte Donna lieb
gewonnen und hätte sie gerne noch einige Zeit um sich gehabt.
Doch es sollte wohl nicht sein.
Anschließend verschlossen die
beiden das Mutterhaus und benutzen die Reiserune um wieder in
ihren Tempel zu kommen. Am Nachmittag des selben Tages übergab
Nara den Novizen die Kleidung mit dem Auftrag einen Schneider zu
suchen und die Kleidung nach schneidern zu lassen.
Inzwischen hatten sich auch
weitere junge Leute eingefunden die in den Dienst der Herrin
treten wollten. Nara begann am nächsten Tag mit der Ausbildung
der jungen Leute, der junge Mann der von Anfang an etwas
selbstbewusster als die anderen gewesen war, entwickelte sich
langsam zu ihrer rechten Hand. Iron hingegen hatte die
Öffentlichkeitsarbeit übernommen und kümmerte sich um die
Kollegen als auch um die Reporter die nun auch den Tempel
belagerten. An einem Tag als Iron wieder mal vor dem Tempel
stand wobei er inzwischen auch die Kleidung eines Hohepriesters
mit langen Hosen trug, was nun seine imposante Statur noch
besser zur Geltung brachte, sah er als er seinen Kollegen einige
Teppiche als Anschauungsmaterial und als Gabe für die Museen
übergab, eine recht schüchterne junge Frau, obwohl sie eher wie
ein Mädchen aussah. Sie war noch recht jung, sah zudem äußerst
herunter gekommen aus und sah sich schüchtern um. So ließ er
seine Kollegen stehen und trat auf die junge Frau zu. Als er sie
ansprach und sie zu ihm auf sah, bemerkte er erst richtig wie
schüchtern sie war. Freundlich und sanft sprach er zu ihr und
erfuhr so das sie keine Familie mehr hatte, alleine auf der Welt
stand und um Aufnahme als Novizin bat. Er bat sie ihm zu folgen
und brachte sie zu Nara, die im Arbeitszimmer saß und mit Joran,
so hieß der junge Mann, die Bestände durch ging und einen
Einkaufszettel aufstellte was bei den örtlichen Geschäften als
Vorrat bestellt werden musste. Sie sah auf als Iron den Raum
betrat und bemerkte so nicht den Blick der Joran ihr zu warf,
allerdings Iron fiel er auf. Als Iron ein wenig zur Seite trat
sah sie das junge Mädchen das nun hinter ihm zum Vorschein kam.
Iron sah Nara an: „Das ist Marie, sie möchte gerne als Novizin
aufgenommen werden.“ In kurzen Worten gab er wieder was er von
Marie erfahren hatte und Nara nickte. Dann sah sie Joran an:
„Kümmere dich bitte um sie und gib ihr ein Bett im Dreierzimmer.
Ich denke es tut ihr gut ein wenig mit den anderen zusammen zu
sein.“ Auch Nara hatte die Schüchternheit des Mädchens bemerkt
und hoffte das sie wenn sie mit den anderen Frauen zusammen war,
ein wenig aus sich heraus kommen würde. Später erfuhr sie das
Marie gerade mal erst siebzehn war und einige Jahre auf der
Straße gelebt hatte. Maries Ankunft und deren Schicksal lies in
Nara einen Plan wachsen, so ging sie mit Iron zu einem bekannten
Architekten und hoffte das dieser es möglich machen konnte auf
dem Tempelgelände ein Waisenhaus im Stil des Tempels errichten
zu können. Angeschlossen an das Waisenhaus sollte auch ein
Krankenhaus und eine Kindertagesstätte sein. Nara wusste das
dies früher nie zu den Aufgaben der Tempel gehört hatte, doch
dachte sie sich. Moderne Zeiten verändern auch einiges an den
Aufgaben der Tempel. So entstand auf dem Gelände ein großes
Bauprojekt.

Kapitel 10: Der Glaube ist wieder
hergestellt

Die Zeit verging, inzwischen
waren gut 3 Monate vergangen seit Iron und Nara das erste mal
diesen Tempel betreten hatten. Wenn er auch zu dieser Zeit noch
eine Ruine gewesen war. Iron fiel immer mehr auf das Joran
versuchte sich bei Nara unentbehrlich zu machen. Und er wusste
genau was der junge Mann sich erhoffte. Vor allem nach dem Iron
den jungen Leuten in einer Unterrichtsstunde von den
Gepflogenheiten der Priester bezüglich der körperlichen Seite
des Priestertums, egal ob weiblich oder männlich berichtet
hatte. Schließlich sollten die jungen Leute auch wissen auf was
sie sich einließen. Nun den Männern gefiel das, bei den Frauen
löste das zwiespältige Gefühle aus. Nun allerdings sah es so aus
als wollte Joran ein wenig mehr von Nara. Iron machte Nara
darauf aufmerksam, doch sie winkte nur ab, das er Gespenster
sehen würde. Doch zog sie ihn auf, das er wohl bei aller
Wachsamkeit nicht bemerkt hatte das die weiblichen Novizen ihn
schlichtweg anhimmelten. Als sie ihm das sagte, lachte er leise.
„Sie sollen die Herrin verehren und nicht uns.“ Doch blieb es
wohl nicht aus, das die Hohepriesterinnen als auch die
Hohepriester einen besonderen Stellenwert in den Tempeln
einnahmen. Doch sollte nicht Nara diejenige sein die mit jemand
anderem schlief, sondern Iron. Eine der Novizinnen passte Iron
an einem Tag ab und begann ihn zu reizen. Anfangs fühlte er sich
geschmeichelt doch versuchte es ab zu blocken. Doch die junge
Frau gab nicht auf und da Iron nun belastet war von dem starken
Verlangen der Herrin, überkam es ihn, er gab nach und nahm sich
die junge Frau recht stürmisch. Anschließend allerdings zerfraß
ihn das schlechte Gewissen und da er befürchtete das die junge
Frau es Nara womöglich brühwarm berichten würde, nahm er sich
vor selber zu beichten. Er hoffte das Nara ihm verzeihen würde.
Und so stand er wenig später vor Nara und erzählte ihr davon:
„Es tut mir wahnsinnig leid und es soll auch nicht wieder
vorkommen. Kannst du mir verzeihen?“ Nara sah ihn an:“ Also ist
es nun soweit. Dein Verlangen lässt es nicht mehr zu das du dich
beherrschen kannst. Langsam verfluche ich den Tag da ich diese
Ruine aufsuchte, ehrlich gesagt.“ Doch als Nara schwieg und
darüber nachdachte, bemerkte sie das sie nicht mal eifersüchtig
war. Das sie es vor sich selber damit zu erklären versuchte das
es wohl geschehen könnte. Und nun in Irons Fall schon geschehen
war. Sie sah ihn an, sie sah seine Liebe zu ihr in seinen Augen,
sie sah das es ihm wirklich leid tat. Ebenso begriff sie das es
seiner Liebe zu ihr keinen Abbruch tat, das er sie nach wie vor
liebte, das hier nur sein Körper verrückt gespielt hatte, was
ihn dazu gebracht hatte sich die Frau zu nehmen. Sie nickte: „Ja
ich verzeihe dir, weil ich begriffen habe das du mich liebst und
das es einen Unterschied gibt, zwischen reinem Sex und der
Liebe, das eine hat mit dem anderen nicht unbedingt etwas zu
tun. Was du dir bei ihr geholt hast war reine körperliche
Befriedigung, doch das hat mit der Liebe zu mir nichts zu tun.
Wobei es natürlich schmerzt das du es dir nicht von mir geholt
hast. Doch verstehe ich das es aus dem Moment heraus geschah und
nicht von dir geplant war.“ Er sah sie verblüfft und verwundert
an. Er hatte erwartet das sie toben, weinen oder ihn sogar
schlagen würde. Doch das sie relativ ruhig blieb verwunderte
ihn: „Bist du nicht eifersüchtig?“ Sie sah ihn an: „Worauf
sollte ich eifersüchtig sein? Wie gesagt es schmerzt ein wenig,
doch das vergeht denke ich mal. Also nehme ich es nicht so
ernst. Deine Liebe zu mir ist echt und alleine das zählt. Und
die Kleine wollte dich wohl nur, du bist attraktiv und es
wundert mich eigentlich das dir nicht noch mehr Frauen Avancen
machen. Zudem ist es für eine Frau leicht einen Kerl herum zu
kriegen, wenn ich also irgendwem oder was die Schuld daran geben
sollte, dann wohl eher das wir in dieser Klemme stecken, das wir
für etwas auserkoren wurden, was wir beide eigentlich nicht
wollten. Also vergiss es, zudem es mir eventuell ja mal ebenso
ergehen könnte.“ Als sie den letzten Satz sagte stellte er sich
vor das sie eventuell Joran nachgeben würde und musste nun
seinerseits ebenfalls feststellen, das es ihm ein wenig weh tat.
Das sie sich bei einem anderen das holte was er ihr ebenso hätte
geben können, doch richtige Eifersucht wollte auch bei ihm nicht
aufkommen. Denn auch er sah das sie ihn wirklich liebte und
musste zu der gleichen Erkenntnis gelangen wie sie, das das eine
mit dem anderen nichts zu tun hatte. Er nickte, dennoch würde er
versuchen dafür zu sorgen das es nicht noch mal geschah. Er trat
auf sie zu und nahm sie in seine Arme: „Ich liebe dich wirklich
und nichts und niemand wird dir diese Liebe nehmen können. Ich
bin dein für alle Zeit und daher möchte ich dich fragen,
möchtest du meine Frau werden?“ Sie sah zu ihm auf, ihre Arme
legten sich um ihn: „Ja das will ich, denn ich liebe dich
ebenso. Nichts wird uns mehr trennen, auch ein Seitensprung
nicht.“
Nara war Donna dankbar das sie
ihnen auch etwas über die traditionellen Hochzeitsriten für
Priester als auch allgemein erzählt hatte. Und so bereitete man
sich wenige Tage später darauf vor die erste Hochzeit zu feiern.
Auch das wurde natürlich in der Presse breit getreten. Iron und
Nara mussten sich daran gewöhnen das sie nun im Blickpunkt der
Öffentlichkeit standen. Das alles was sie taten öffentlich
dokumentiert wurde, das sie kaum noch einen Schritt tun konnten
ohne das ihnen irgendein Reporter an der Pelle klebte. Es sei
denn sie würden sich wieder mal für einige Tage in ihren
Lieblingstempel zurück ziehen. Schließlich wartete auch noch das
Zepter auf sie und einige Rätsel hinter den verbliebenen
Spiegeln. Doch das würde erst mal warten müssen. Iron ging
vorerst der jungen Frau die ihn verführt hatte aus dem Weg, was
ihr nicht verborgen blieb. Sie hatte sich einige Vergünstigungen
durch das Schäferstündchen mit Iron erhofft, sah aber nun das
diese Hoffnungen nicht erfüllt wurden. Alle anderen Frauen
himmelten Iron zwar an, doch als sich herum sprach das Nara und
er heiraten würden, machten sie sich erst recht keine Hoffnungen
mehr auf ihn. Auch Nara fiel auf das Iron vorsichtiger geworden
war und wenn es ihn doch mal drängte, überfiel er Nara einfach
in ihrem Büro und schliff sie ins angrenzende Schlafzimmer um
sich zu holen was er brauchte.
Dann war es soweit, der Tag der
Hochzeit war gekommen. Als Nara sich für die Zeremonie fertig
machen wollte und das Schlafzimmer betrat, lag auf dem Bett ein
Traum von Kleid. Es hatte einen weiten Rock mit einer sehr
langen Schleppe, war mit feinsten Stickereien besetzt und hatte
eine Korsage als Oberteil. Sie wunderte sich über das Kleid ,
denn es war nicht das was sie gekauft hatte. Ihres war
wesentlich schlichter gewesen. Auf dem Kleid lag ein Stirnreif
der vorne auf der Stirn das Symbol des Lichts trug, dabei lag
ein Zettel auf dem stand: „Das Kleid ist ein Geschenk der
Götter, der Stirnreif hingegen gehört zur Ausstattung der
höchsten Priesterin. Die man auch hohe Mutter nannte und
Oberhaupt über alle Tempel war.“ Es war zwar nicht
unterschrieben, doch ahnte Nara vom wem die Botschaft war und
hauchte leise: „Danke Herrin.“ Iron hingegen fand in seinem Büro
wo er sich umziehen wollte, eine weiße Hose vor und ein weißes
allerdings tief ausgeschnittenes Seidenhemd das die gleichen
Stickereien trug die auch Naras Kleid verschönerten. Auch auf
seiner Kleidung lag ein mit feiner Schrift beschriebener Zettel
auf dem, nur in abgewandelter Form das gleiche stand wie auf dem
Naras. So zogen sich beide an. Naras Haare waren teilweise hoch
gesteckt, doch so das sie hinten wie ein Wasserfall über ihren
Rücken fielen. Die gesamte Presse war vertreten jeder wollte
darüber berichten. Selbst das Fernsehen war anwesend. Das war
das Ereignis des Jahrhunderts und keiner wollte es verpassen.
Selbst die Novizen trugen Festtagskleidung und hatten sich als
Spalier rechts und links auf den Gang zum Altar aufgestellt. Der
gesamte Altarraum war mit Blumen geschmückt und auf den Bänken
saßen die Bewohner der nahen Stadt und das Personal des Tempels.
Die vorderen Bänke waren für die Novizen bestimmt sobald das
Paar an ihnen vorbei geschritten war. Dann hörte man leise Musik
spielen und man wunderte sich wo die her kam, denn im Tempel gab
es nichts womit man Musik hätte machen können. Leises
verwundertes Raunen war zu hören. Dann betraten Nara und Iron
den Altarraum und es wurde bis auf die Musik still. Sie warteten
einen Moment um allen Gelegenheit zu geben sie zu betrachten und
schritten dann langsam an den Novizen vorbei nach vorne zum
Altar. Leise raunte Iron Nara zu: „Weißt du woher die Musik
kommt?“ Und Nara raunte zurück: „Ich nehme an von der gleichen
Stelle wo auch mein Kleid und deine Ausstattung her kam.“ Iron
verstand und nickte. Doch als sie vorne angekommen waren, sich
die Novizen gesetzt hatten und sie in Ermangelung eines anderen
Priesters die Zeremonie selber abhalten wollten, erschien am
Altar ein gleißendes Licht. Als es fort war stand dort auf
einmal die Herrin des Lichts und rechts und links hinter ihr
ihre beiden Krieger, alle drei trugen ebenfalls
Festtagskleidung. Wobei es ein wenig seltsam anmutete das diese
ihre gewaltigen Schwerter auf dem Rücken trugen. Nun ging das
Raunen erst richtig los, einige Menschen waren erstaunt, andere
wiederum konnten nicht fassen was hier geschah und immer wieder
hörte man von der einen oder anderen Stelle, „Das muss sie sein,
das ist die Göttin, die Herrin des Lichts.“ Dann begann die
Herrin zu sprechen: „Heute genau ist es fünfhundert Jahre her,
das der erste meiner Tempel fiel. Ausgelöst wurde das ganze
dadurch das der Vogel der Zeit aus seinem Nest gestohlen wurde
und so seinen Flug nicht beginnen konnte. Das wurde von diesen
beiden mutigen Menschen, Iron und Nara nun berichtigt. Und es
freut mich das mein erster Tempel wieder seine Funktion
aufnehmen wird. Weitere Tempel werden folgen. Doch sind wir,
mein Gatte Myrion,“ dabei deutete sie auf den Krieger zu ihrer
rechte Seite, „und mein Geliebter Leon,“ damit deutete sie zum
dem Krieger zu ihrer Linken, „ und ich heute gekommen, um diese
beiden tapferen Menschen, die ihren Weg gerade erst mal
beschritten haben in den Bund der Ehe zu führen.“ dann trat sie
vor und Iron und Nara knieten sich vor sie nieder und beugten
leicht den Kopf. Anschließend legte die Herrin ihre Hände auf
deren Köpfe. „Ich segne euch Auserwählte und frage euch nun,
Iron willst du Nara zu deiner Gemahlin nehmen, bis der Tod euch
abruft?“ Und Iron antwortete mit klarer Stimme: „Ja ich will und
weit darüber hinaus.“ dann richtete sie ihre Frage an Nara: „Nara
bist du gewillt Iron zu deinem Gemahl zu nehmen, bis der Tod
euch abruft?“ Und Nara nickte leicht und antwortete ebenso: „Ja
ich will und weit darüber hinaus.“ Lächelnd sah die Herrin auf
die beiden herab. „Erhebt euch nun.“ Als sie das getan hatten,
legte die Herrin ihrer beiden Hände ineinander: “Dann erkläre
ich euch heute mit meinem Segen für verbunden. Möge euer Leben
noch lange andauern. Ich weiß was ich euch zumute aber ihr seid
die Weisheit und die Stärke und ich vertraue auf euch, das alles
so kommen wird wie es vorausgesagt wurde. Ich habe allerdings
auch ein Geschenk für euch beide. Ab dem heutigen Tage wird Iron
von dem entbunden sein, was er durch die Verbindung zu mir,
ertragen musste.“ Iron flüsterte leise zur Herrin: „Heißt das,
dieses über starke Verlangen bin ich nun los?“ Sie nickte
leicht: „Genau das meine ich, wobei ich dir den Rest aber
gelassen habe.“ damit zwinkerte sie ihm sachte zu. Dann richtete
sie sich an die Menschen die nur staunend im Raum saßen, während
Nara und Iron rechts und links neben sie traten. „Achtet diese
beiden, sie haben noch einen langen und beschwerlichen Weg vor
sich. Ihr ahnt nicht mal was diese beiden schon ertragen haben
und noch werden ertragen müssen, bis alles wieder seine
Richtigkeit hat. Ihr könnt Schutz und Hilfe in meinen Tempeln
bekommen wenn ihr in Not seid, doch wehe dem der versucht in
ihnen etwas böses oder hinterhältiges zu tun, den wird meine
Strafe treffen. Und auch mein Sohn Lazarus wird diese Welt
besuchen, was bedeutet ihr werdet fruchtbarer werden, eure Welt
wird mehr Kinder bekommen. Achtet ihn ebenso wie ihr mich, meine
beiden Männer oder meine beiden höchsten Priester achtet. Und
nun feiert und liebt euch, denn heute ist ein Freudentag nicht
nur für diese beiden, sondern für eure ganze Welt. Und die
Kinder die heute gezeugt werden sollten, werden alle mit
besonderen Gaben von mir gesegnet sein.“ Dann traten Myrion und
Leon vor und beglückwünschten nun ebenso Nara und Iron zu ihrer
Trauung, anschließend richtete Myrion seine Worte an die
Menschen. Alle sahen ihn an als seine sonore Stimme erklang.
„Ihr habt meine Gattin gehört und seid versichert, das Leon und
ich kommen werden um die zu strafen die sich dem Wort der Herrin
widersetzen.“ Da er wenige Worte machte, waren sie um so
eindringlicher und fast jeder, bis auf einige Schurken nahmen
sie sich zu Herzen. Einen kurzen Moment später waren die drei
Götter verschwunden und eine recht erstaunte und verwunderte
Menschenmenge blieb zurück. Dann legte Iron einen Arm um Nara
und führte sie aus und vor den Tempel wo lange Tische aufgebaut
waren, die reichlich gedeckt waren mit allerlei leckeren Sachen.
Sogar eine Kapelle spielte zum Tanz und so feierte man
ausgelassen und freudig. Dieser Tag wurde später dann als
weltweiter Feiertag im Kalender aufgenommen. Doch sprach man
noch lange von dem Wunder das sich an diesem Tag ereignet hatte,
der Glaube an die Göttin war wieder hergestellt. Niemand
zweifelte mehr an ihrer Existenz. Und die Kinder die neun Monate
nach diesem Tag geboren wurden, hatten tatsächlich besondere
Fähigkeiten.
